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Plakat - Julietta
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© Central Film

Kritik: Julietta (2001)


Erst der Abspann erwähnt Heinrich von Kleists "Die Marquise von O...", dessen Ausgangssituation - die Vergewaltigung während einer Ohnmacht - aus dem 18. Jahrhundert ins Berlin der letztjährigen Loveparade verlegt wird. Die bereits 1975 von Eric Rohmer verfilmten Konflikte der Vorlage, besonders die schwerwiegenden sozialen Folgen der Vergewaltigung, sind bei Christoph Starks Kinodebüt kein Grund zur Larmoyanz (was ihm viele Kritiker übel nahmen). Stark, dessen "Das sündige Mädchen" erst unlängst im Fernsehen lief, erzählt nämlich keine bleischwere Vergewaltigungstragödie, sondern eine offenherzige und komplexe Dreiecksbeziehung und die von einer ungewollten Schwangerschaft ausgelösten emotionalen Wirren. Die stilistisch schwungvolle und unverkrampfte Inszenierung profitiert von der natürlichen und frischen Leistung der drei Hauptdarsteller, besonders Lavinia Wilson, die mit Stärke und Verletzlichkeit den Film trägt. Ihre Rolle ist weit realistischer als die der beiden Jungs angelegt. Der Spiegel erboste sich und nannte "Julietta" einen "Bravo-Fotoroman", während andere Kritiker die Unentschlossenheit des Films monierten. Beides stimmt, dennoch sind die Emotionen echt - auch wenn die Geschichte ihre Glaubwürdigkeit mit unrealistischen Wendungen aufs Spiel setzt. Und die Unentschlossenheit ist ein fester Bestandteil, die sich aus den Problemen ergibt, die den Figuren über den Kopf wachsen und keine eindeutige Entscheidung zulassen.




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