VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Jean-Marc Barr - Too much Flesh
Jean-Marc Barr - Too much Flesh
© Arsenal

Kritik: Too much Flesh (2000)


Hier kommt also der zweite Teil der geplanten Trilogie Jean-Marc Barrs über das Thema Freiheit. Erneut drehte der Franzose auf Digital-Video, was dem Film ausgezeichnet bekommt. Die Geschichte um die Zwänge, Bigotterie und Einengung in einer amerikanischen Kleinstadt des mittleren Westens der USA erfährt auf diese Art und Weise ihre drängende Intensität. Jederzeit ist die Kamera und damit der Zuschauer unmittelbar in der Nähe des Geschehens, so dass bisweilen der Eindruck entsteht, man selbst befände sich in der Rolle der ins Abseits Gedrängten bzw. würde sie ins Abseits drängen. Fasziniert folgt man deswegen Barrs filmischem Essay, das auf konsequente Weise die menschlichen Verknüpfungen aus Zwang, Unterdrückung sowie nicht zuletzt sexueller Befreiung sichtbar macht. In zarten Bildern nähert sich „Too much flesh“ der Beziehung zwischen Lyle und Juliette, die mit einer Mischung aus Erotik und lustvoller Entdeckungsreise einem wichtigen Teil der menschlichen Existenz nachspürt. Diesen sinnlichen Sequenzen werden die verhärmten Charaktere, welche eine verblendete puritanische Moral auch unter Zuhilfenahme von Gewalt durchsetzen wollen, entgegen gestellt. Damit entlarvt Barr suggestiv den Irrweg der Kleinstadtbewohner. Sie haben in seiner Weltsicht nicht begriffen, dass die Folge ihres Unrechts in letzter Konsequenz ihre eigene Existenz in Frage stellt. Den Widerspruch aus dem gesellschaftlichem Zwang für Lyle, mit seiner Frau ein Kind zu haben, obwohl diese Sex ablehnt, und der allgemeinen Ablehnung von Lyles Beziehung zur jungen Französin, lösen die Nachbarn in einem Ausbruch von Gewalt auf. Die angestaute Energie bahnt sich ihren Weg. Kaum etwas ist gefährlicher, als Unterdrückung in Verbindung mit Freiheitswillen. In diesem Sinne überzeugt „Too much flesh“ durch sein geschicktes Aufeinanderprallen der gesellschaftlichen sowie der individuellen Ebene, die in der filmischen Äthetik eine kongeniale Umsetzung erfährt.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.