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Jazz Seen (2001)

Jazz Seen: The Life and Times of William Claxton

Stimmungsvolles und ambitioniertes deutsches Dokumentarportrait des Jazz-Photographen William Claxton, der von den 50ern bis heute Jazzmusiker abgelichtet hat. Julian Benedikt widmet sich dem Mann, der Jazz sichtbar machte...User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse ??? / 5

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William Claxton: Jazz fürs Auge. Mit dem Bebop begann der Mythos des Jazz. In der Ära des Swing waren Musiker noch freundliche Unterhaltungsprofis, die mit einem Lächeln im Gesicht in die Kamera blickten. Doch mit der Entdeckung des genialen Solisten als Bühnen-Typus waren andere Bilder gefragt. Jazz bekam einen Charakter, der auch die Photographen vorneue Aufgaben stellte. William Claxton war einer der wichtigsten Vertreter jener, die halfen, der fragilen Ästhetik der improvisierenden Moderne ihre Form zu geben. Für "Jazz Seen" wechselt Regisseur Julian Benedikt von der East-Coast zur West- Coast. Nach "Blue Note - A Story of Modern Jazz" über das gleichnamige New Yorker Kultlabel und dem dort gepflegten East-Coast Jazz, widmet sich Jazz Seen dem kalifornischen Gegenstück, dem West-Coast Jazz. Niemand hat die dortige Jazz-Szene und ihr faszinierendes Umfeld eindrucksvoller photographisch dokumentiert als William Claxton. Vierzig Jahre amerikanische Pop-Kultur, gespiegelt im außerordentlichen Werdegang des wohl berühmtesten Jazz-Photographen der Welt. Regisseur Julian Benedikt stellt Schlüsselepisoden aus Claxtons Leben nach und verwebt sie mit einer Auswahl an Originaldokumenten. Der Film gewährt Einblicke in Claxtons Photoarchiv.

Filmkritik

William Claxton ist einer der bekanntesten Jazz-Photographen, und Regisseur Julian Benedict – nach seiner Arbeit über "Blue Note – A Story of Modern Jazz" nun schon tief im Thema - setzte ihn und seine Arbeit überzeugend ins Bild. Die Photographien Claxtons beschwören eine vergangene Zeit wieder herauf, deren Flair auch der Film stellenweise erliegt. Doch zwischen rührenden und spannenden Momenten werden immer auch Brüche im Film offenbar. Das sind nicht nur bewusst thematische Lücken, sondern auch handwerkliche Ungenauigkeiten, wie banale Fehler bei den Untertiteln oder Patzer im Schnitt. Dramaturgisch ist der Film an die Biographie von Claxton gebunden. Dies kann keine durchgehende Spannungskurve garantieren, aber einige Erzählungen und Episoden wirken doch sehr zusammenhanglos. Ein wenig mehr Stringenz hätte man sich gewünscht. Auch über den Einsatz von nachgespielten Szenen in einem Dokumentarfilm kann man diskutieren, aber insgesamt bietet der Film so eine spannende Mixtur an Informationsquellen. Die Auftritte und Statements der vielen Stars sind immer interessant, allerdings geraten sie dann ein wenig fragwürdig, wenn Benedict die Befragten über die Aussage und die Motivation hinter Claxtons Werk spekulieren lässt. Denn der Künstler steht bereitwillig selbst Rede und Antwort. Und seine Auskünfte wären doch sicherlich gehaltvoller gewesen... Aber dennoch: Ein schöner Film mit einem wunderbaren Thema. Und nicht nur Jazz-Freunde oder Photographen, sondern auch Architekten, Künstler, Historiker, Politiker, Modeinteressierte, Amerika-Fans und besonders Filmfans sollten sich diesen Film ansehen. Und danach das Buch kaufen.




Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Deutschland
Jahr: 2001
Genre: Dokumentation
Länge: 80 Minuten
Kinostart: 25.04.2002
Regie: Julian Benedikt
Darsteller: William Claxton, Peggy Moffitt, Chico Hamilton
Verleih: Salzgeber & Co. Medien GmbH



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