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Kritik: Tattoo (2001)


Die Haut ist das größte Organ des Menschen. Sie ist Spiegel seiner Seele, reagiert auf Scham, Furcht und Ekel. Und manchmal fühlt man sich ganz einfach nicht wohl in seiner Haut.

Doch sollte die Haut eines Menschen auch einen Anlass bieten seinen "Träger" zu töten? In Robert Schwentkes "Tattoo" lautet die Antwort darauf "Ja", denn wie der Filmtitel erahnen lässt ist sie als Kunstwerk ein Objekt der Begierde. Tätowierungen zählen zu den ältesten Künsten der Geschichte. Seit Tausenden von Jahren wird die Haut durch Farben, Muster und Symbole verziert. Ein menschliches Gesamtkunstwerk als Basis eines düsteren Psychothrillers.

Eigentlich hatte sich Marc Schrader (August Diehl) auf den Beginn eines ruhigen Bürojobs bei der Polizei gefreut, doch das Schicksal hatte bereits andere Pläne mit ihm. Bei einem illegalen Rave kann der frischgebackene Absolvent der Polizeischule nur knapp einer Razzia entgehen. Seine Jacke samt Ausweis und Ecstasy-Pillen fällt jedoch dem leitenden Hauptkommissar Minks (Christian Redl) in die Hände. Ein Druckmittel, das den jungen Kollegen bewegen soll, bei der Mordkommission einzusteigen.

Nicht gerade die optimale Voraussetzung für eine kollegiale Zusammenarbeit, doch vielleicht für den gemeinsamen Kampf gegen einen bestialischen Feind. Ein mysteriöser Mordfall will aufgeklärt werden und Minks erhofft sich durch seinen neuen Zögling an wichtige Insider-Informationen aus der Party- und Drogenszene zu gelangen. Außerdem ist da noch seine Tochter, die seit geraumer Zeit in eben diese Kreise untergetaucht ist.

Bei dem Mordopfer handelt es sich um eine junge Frau. Die Obduktion der verkohlten Leiche bringt ein erschreckendes wie wichtiges Indiz zutage. Ein abgetrennter Finger, den die Frau im Kampf ums Überleben ihrem Peiniger abgebissen haben muss. Bei ihren weiteren Nachforschungen stößt das ungleiche Polizeigespann auf weitere Leichen. Schnell wird klar, dass hier ein Serienkiller sein Unwesen treibt. Seine Opfer haben allesamt eines gemein: an einer Körperstelle klafft eine Wunde, an der zuvor noch eine kostbare Tätowierungen die Haut zierte. Schrader und Minks geraten immer tiefer in die Welt eines perversen "Tattoo"-Jägers.

Das Regie- und Kinodebüt von Robert Schwentke bietet so ziemlich alles, was man dem Genre abverlangen kann. Ein spannend beklemmender Psychothriller, der unter die Haut geht und in seiner Umsetzung auch einem internationalen Vergleich standhält. Leider bietet "Tattoo" auch all die Klischees, denen man als Cineast unlängst überdrüssig geworden ist. Beispiele hierfür sind der alternde Polizist mit zerrütteter Familie als einsamer Wolf in Szene gesetzt, der Leichenbestatter (Gustav-Peter Wöhler) als Mischung aus Freak und verkanntem Genie, die rätselhafte und natürlich bildschöne Unbekannte (Maya Kroner), Hektoliter Regen in rabenschwarzer Nacht und überflüssig wie übertrieben viel Blut. Selbst den lehrreichen Satz des Hauptkommissar Minks - "Komm abends immer lebendig nach Hause" - hat man irgendwo schon einmal gehört. Zudem gesellt sich ein überaus bedeutender Informant (Ingo Naujoks), den Schrader in einer Metropole wie Berlin rein zufällig in der Bahn trifft sowie deutlich spürbare Anleihen bei den Genreklassikern "Das Schweigen der Lämmer" und "Sieben". Wen dies alles nicht weiter stört, der darf sich auf 108 Minuten Nervenkitzel freuen, die von einem erstklassigen Schauspielensemble - allen voran den beiden Hauptakteuren August Diehl und Christian Redl - ausgefüllt werden.






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