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Der schöne Tag - Serpil Turhan, Bilge Bingül
Der schöne Tag - Serpil Turhan, Bilge Bingül
© Peripher

Kritik: Der schöne Tag (2001)


Was ist die Liebe? Wie kann man eine Partnerschaft lebendig halten? Lohnt es sich, um eine verblassende Liebe zu kämpfen? Das alles sind sehr spannende Fragen, und es ist schade, dass sie einen so relativ fußlahmen Film wie "Der schöne Tag" ergeben haben. Drehbuchautor und Regisseur Thomas Arslan hat sich bemüht, ein ganz alltägliches Leben abzubilden, in dem eine Veränderung ansteht. Die 21jährige Deniz hat sich von ihrem Freund Jan getrennt, für den sie nichts mehr empfindet. Doch ist das die richtige Entscheidung? Mit ihrer Mutter, ihrer Schwester, einem neugefundenen Bekannten und einer Dozentin für Alltagsgeschichte spricht Deniz an einem Tag über das Thema und Liebe und Partnerschaft an sich. Ob ein Regisseur verpflichtet ist, seinem Werk eine gewisse Dramatik einzuhauchen, sei dahingestellt. Arslan möchte seinem Film so viel Authentizität wie möglich verleihen und lässt seine Kamera in einer ruhigen Beobachterposition, ohne jegliche technischen Mätzchen. Einen Großteil der Spielzeit sieht man Deniz daher durch Berlin gehen, mal allein, mal in Begleitung. Dieser cinema verité-Ansatz verleiht dem Drama eine ruhige Ernsthaftigkeit, die sich in der nachdenklichen Hauptfigur widerspiegelt. Wenn Deniz dann in der U-Bahn mit Diego ein Spiel mit Blicken austrägt, wirkt "Der schöne Tag" sehr wahrhaftig und lebensnah. Anrührend ist auch das Vorsprechen beim Film: Eine an sich banale Stelle gewinnt durch das ruhige Spiel der Hauptdarstellerin Serpil Turhan und die ebenso ruhige Bildführung an emotionaler Kraft und man fühlt sich als Zuschauer berührt. Doch die andere Seite des Films sind die unerträglich von Papier knisternden Dialoge. Wenn Arslan sehr schön zeigt, wie sich Menschen zueinander verhalten, so fällt es ihm doch hörbar schwer, aufzuschreiben, wie sie miteinander sprechen. So redet kein Mensch, es sei denn, man hat etwas auswendig gelernt. Und die an sich gutgemeinten Ausführungen über die Liebe werden dadurch konterkariert und im Fall der Dozentin sogar unfreiwillig komisch, denn der Dialog wirkt dort ganz besonders wie ein einstudierter Text - und das liegt nicht unbedingt an den Schauspielern. Diese Auslassungen fallen um so drastischer auf, weil sie sich extrem mit langen dialoglosen Passagen abwechseln - ebenfalls ein Missverhältnis. "Der schöne Tag" ist ein angenehmer Film, aber er versucht, seine Botschaft fast ausschließlich durch die Dialoge zu transportieren und verwässert dadurch seine realistische Atmosphäre. Wo sich Arslan auf die Bilder verlässt - so zum Beispiel auch bei dem äußerst gelungenen offenen Ende -, da zeigt er emotionale Kraft.




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