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Kritik: Heinrich der Säger (2001)


Kaum verbrämt spielt Klaus Gietinger mit seiner Kommerz-Bahn auf die bundesdeutschen Verhältnisse der DB an, die im Zuge von Privatisierung Streckenstillegung und Arbeitsplatzabbau nach sich ziehen und damit ein Dorf zum Sozialfall machen. Mit dem sozialen Sprengstoff kann Gietinger aber keine bissige Satire über den Standort Deutschland oder die Folgen der Arbeitslosigkeit entwickeln. Der Allgäuer Filmemacher ("Daheim sterben die Leu'") stürzt sich lieber in die harmlosen Freuden des Lokalkolorits: kauzige Hinterwäldler geben Lachnummern ab, die schlitzohrigen Protagonisten führen ihr burleskes, pralles Leben auf dem Land. Deshalb verlieben sich ein einfältiger Postbote und die Gänseliesl unbekümmert ineinander, während beide die Bahn erpressen und die als reine Clowntruppe gezeichnete Polizei an der Nase herumführen. Kusturica goes ostdeutsche Provinz. Doch "Heinrich der Säger" hat nicht südosteuropäischen, sondern deutschen Humor: und der ist so witzlos wie ein Trauermarsch. Dafür schreit das "Railroadmovie" seine überdrehte Posse heraus. Nonchalant will der wilde Stilmix sämtliche Genres umarmen, von Komödie und Romanze, über Action, Satire, Krimi und Melodram. Nur verwechselt Gietinger die angestrebte Unberechenbarkeit mit inszenatorischem Chaos. Im Eifer des Gefechts scheint keiner der Beteiligten zu merken, wie hölzern und misslungen ihr Komödiantenstadl ist. Ein Toter Taucher mehr im Wald...




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