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Kritik: Metade Fumaca (1999)


Riley Yip beweist auch mit seinem zweiten Film, dass er sich vortrefflich im melodramatischen Genre auskennt. Ruhig bereitet er die Geschichte des an Alzheimer erkrankten Triaden auf, der nach dreißig Jahren Exil in Brasilien nach Hongkong zurück kehrt. Krampfhaft klammert er sich an ein einziges Bild, das er vor drei Jahrzehnten aus dem duftenden Hafen mitgenommen hat. Es ist das Bild einer wunderschönen Frau, die er einst traf. Yip ist weniger an klassischer Action interessiert, die den Triadenfilm so häufig dominiert, sondern ihm geht es um das Treffen zweier persönlicher Dramen. Der alte Gangster, der „seine“ Frau sucht, tut sich mit dem jungen zusammen, der seinen Vater nicht kennt. Beiden fehlt ein zentraler Bestandteil ihrer jeweiligen Heimat, das sie finden müssen, um zur Ruhe zu kommen. Während der eine dadurch sein Leben neu ordnen kann, bedeutet es für den anderen einen würdigen Abschluss zu finden.

Geschickt greift „Metade Fumaca“ mit der mythischen Geschichte der vor dreißig Jahren stattfindenden Auseinandersetzung der zwei Triadenlegenden romantisierte Klischees über das organisierte Verbrechen auf. Diese Ereignisse verlegt der Film vollständig in die Erinnerung des aus Brasilien Zurückgekehrten, dessen Darstellung durch einen Zeitzeugen ins fast vollständige Gegenteil verkehrt wird. Aus der glorifizierten Auseinandersetzung wird ein schäbiger Kampf zweier Gockel um eine Frau, die sie nicht einmal kannten. Dennoch verrät Yip seine Hauptfigur nicht, sondern macht klar, dass es genau diese romantisierte Sichtweise ist, die ihn am Leben erhält. So wird das ergreifende Drama eines Menschen sichtbar, der sich kurz vor dem Verlust seiner Identität an eine Scheinwelt klammert, die es so niemals gegeben hat.

Für das Melodramatische findet Kameramann Peter Pau Bilder von raffinierter Schönheit. Der Club, in dem vor dreißig Jahren angeblich das Treffen mit der idealisierten Frau statt gefunden hat, wird als elegantes, mondänes Tanzlokal gezeichnet. Auch schäbigen Ecken trotzt Pau eine Heimeligkeit ab, die das Thema der Heimat nie aus den Augen verliert. So gelingt es dem Regisseur, einen intimen Film auf die Leinwand zu bringen, der über seine anrührenden Charaktere in melodramatische Höhen vordringt.






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