VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: England! (2000)


Abschlussarbeiten von Filmhochschulen sind das Barometer für den heimischen Nachwuchs - sie zeigen an, ob sich neue Talente ankündigen oder mal wieder dunkle Wolken am Kinohimmel aufziehen. Mit dem ambitionierten Werk "England!" sorgt DFFB-Student Joachim von Borries für ausgesprochenen Sonnenschein. Was der Regisseur seinem nicht vorhandenem Budget an Reife und Poesie abgewinnt, stellt ihn in eine Reihe mit den Newcomern Vanessa Jopp ("Vergiss Amerika") und Sebastian Schipper ("Absolute Giganten").

Letzterer absolviert einen Gastauftritt in dem authentischen Lebensabschnittsdrama eines zum Strahlentod verdammten jungen Ukrainers, das seine harte Realität mit ausnehmend behaglicher, genuin osteuropäischer Musik konterkariert. Von Borries legt das im Grunde traurige Schicksal als letzte Reise durch die Metropole Berlin und nostalgische Erinnerungseindrücke an. Er gibt dem Unvermeidlichen eine lebensbejahende Note: sein Protagonist sieht dem Schicksal mit unverwüstlicher Standhaftigkeit ins Auge.

Das ungeschminkte Drama, dass alle Vor- und Nachteile des jungen, ungebundenen Kinos in sich vereint, streift bisweilen die Genres Roadmovie, Tragikomödie und Liebesgeschichte. Von Borries legt sich aber nicht auf Konventionen fest, weshalb er eine sich anbahnende Romanze mit der leidenschaftlichen Chulpan Khamatova ("Luna Papa") ausschlägt. Damit legt er sich bisweilen Steine in den Weg, festigt aber seine Unabhängigkeit vom Schubladendenken. Seine Fähigkeit, im scheinbar Alltäglichen universelle Poesie und Lebensfreude aufzuspüren, sollte sich von Borries bewahren.






Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.