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Kritik: Sommerliebe (2001)


Es ist nicht ganz einfach, sich »Sommerliebe« zu nähern. Bereits nachdem die ersten Minuten über die Leinwand gehuscht sind, stellte sich bei mir eine kulturelle Distanz ein, die bis zum Schluss nicht vollständig aufgehoben wurde. Der Film erzählt von der ersten Liebe, von dem Geflecht ländlicher Großfamilien in der Türkei und von der Rolle der Frau in diesem Miteinander. Das Einhalten von Regeln gehört hier zum Wichtigsten. Es ist nicht möglich, seine Liebe zu jedem einfach offen zu zeigen und auszuleben. Dadurch ergeben sich auch für das dramaturgische Gerüst Notwendigkeiten, um die Milieuschilderung glaubwürdig zu halten - zumindest vermittelt »Sommerliebe« den Eindruck. Es wäre noch reichlich untertrieben, wenn ich schreiben würde, dass die Liebesgeschichte zurückhaltend inszeniert ist. Vielmehr ist die junge, weibliche Hauptfigur so dicht in das Familienleben eingebunden, dass sie gar nicht die Chance hat, mit ihrem Angebeteten privater zu reden, geschweige denn einen intimen Moment zu erleben. Durch den globalen Blick auf das Geschehen verschwindet das Gefühlvolle in einzelnen kleinen Gesprächen zwischen Frauen, in deren Vertrautheit sich die Figuren gegenseitig offenbaren. Solche leisen emotionalen Töne bindet »Sommerliebe« in das übrige Landleben ein, wodurch sie als organischer Bestandteil der Gesellschaft erscheinen. Für diejenigen, die mit dem Regelgeflecht nicht so vertraut sind, dürfte die Gefühlswelt der Figuren in der Distanz verloren gehen. Statt dessen bietet sich ein interessanter Blick auf etwas Fremdes, das man zwar auch nach Ansicht des Filmes nicht besser verstehen wird, da »Sommerliebe« kein kultureller Lehrfilm sein möchte, das aber über den Blick ein Stück seiner Fremdheit verloren hat.




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