VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Riddick - Chroniken eines Kriegers  United...ctures
Riddick - Chroniken eines Kriegers United International Pictures

Kritik: Riddick - Chroniken eines Kriegers (2004)


"Riddick – Chroniken eines Kriegers": Vin Diesel ist zu cool für diese Welt Vorlage fürs Videospiel Wenn einem aufstrebenden Filmemacher plötzlich alle Türen offen stehen, kommt dabei nicht unbedingt ein Qualitätsprodukt heraus. Das trifft auch auf "The Chronicles of Riddick" zu, einer Art Fortsetzung des Überraschungshits "Pitch Black", mit dem Vin Diesel (37) vor vier Jahren seinen Durchbruch hatte. Regisseur David Twohy inszenierte "Riddick" als mit Action und Effekten überladenes Megaspektakel, bei dem am Ende auf der Strecke blieb, was man für Geld nicht kaufen kann: Erfindungsreichtum und Originalität. Von Rico Pfirstinger Hollywood könnte sich an Lars von Trier ein Beispiel nehmen: Der dänische Filmemacher mit der dämonischen Reputation brachte seinen Landsmann Jørgen Leth unlängst dazu, Leths eigenen Kurzfilm "Der perfekte Mensch" von 1967 in mehreren Variationen neu zu verfilmen – jedoch mit recht bizarren Auflagen. So musste Leth das erste Remake seines 13-Minüters auf der Insel Kuba drehen, wobei keine Einstellung länger als eine halbe Sekunde dauern durfte. Remake Nummer zwei sollte in Mumbai (ehemals Bombay) spielen, während die vierte Fassung ein Trickfilm-Cartoon zu sein hatte. Nur für die dritte Version ließ von Trier seinem Regie-Kollegen freie Hand – alles war erlaubt. Doch siehe da: Gerade diese Fassung ist die schwächste aus dem Remake-Reigen, der unter dem Titel "The Five Obstructions" seit dem 8. Juli in den deutschen Kinos läuft. Von Triers schikanöses Experimentalprojekt ist der beste Beweis dafür, dass Kunst und Qualität nicht trotz, sondern gerade wegen drastischer Beschränkungen entstehen, die den Machern einen unbequemen Rahmen setzen. "Stargate" meets "Flash Gordon" Unter derlei Beschränkungen gedieh vor gut vier Jahren auch "Pitch Black" von David Twohy, ein für nur 20 Millionen Dollar sparsam hergestellter Sci-Fi-Horrorfilm, der einem damals unbekannten Darsteller namens Vin Diesel zum Durchbruch verhalf. Der Streifen war ein Überraschungshit, und so war es unvermeidlich, dass nun das erste von gleich drei geplanten Sequels in die Kinos kommt. Regisseur Twohy hat "Riddick - Chroniken eines Kriegers" als epische Trilogie geplant, zu der sich "Pitch Black" ungefähr so verhalten soll wie Tolkiens "Der Hobbit" zu "Der Herr der Ringe". Mit "Pitch Black" hat "Riddick" – außer dem mittlerweile zum Superstar mutierten Titelhelden – dann auch nicht mehr viel gemeinsam. Das auf ballergeile Teens abzielende Spektakel wurde mit etwa dem sechsfachen Budget des Originals in Vancouver gedreht und prahlt im Presseheft weniger mit dem Erfindungsreichtum seiner Macher als mit der Größe der gemieteten Studiohallen, der Unzahl speziell für den Film hergestellter Requisiten, den sagenhaften Stunts, Effekten und Kostümen sowie der pompösen Ausstattung von Holger Gross, der "Riddick" einen faschistoid-barocken Look irgendwo zwischen "Stargate" und "Flash Gordon" oktroyierte. Kurzum: Der Streifen ist in erster Linie was fürs Auge, nicht fürs Hirn. Diesen Eindruck unterstreicht auch "Riddicks" so genannte Handlung, die – "Star Wars" und "Dune" lassen grüßen – auf mehreren Planeten spielt und einen handfesten Krieg der Welten provoziert. Vin Diesel verkörpert dabei den aus "Pitch Black" bekannten Antihelden Richard B. Riddick, einen entflohenen Sträfling, der seit nunmehr fünf Jahren auf der Flucht vor Kopfgeldjägern ist. Auf dem Multikulti-Planeten Helion wird Riddick Zeuge eines Blitzkriegs, bei dem eine gnadenlose Armee von "Necromongern" das progressive Helion-Volk in Windeseile unterjocht. Zwar gelingt Riddick die Flucht vor dem "Lord Marshal" genannten Anführer der Invasoren, er gerät dabei jedoch in die Fänge eines Kopfgeldjägers, der ihn in das unterirdische Gefängnis eines siedenden Vulkanplaneten steckt. Dort erkennt Riddick eine alte Bekannte namens Kyra wieder (tödlich in Form: Alexa Davalos) und plant umgehend seine Flucht. Der vom viel beschäftigten Charakterdarsteller Colm Feore gespielte Lord Marshal hetzt Riddick derweil seinen Überkrieger Vaako (Karl Urban aus "Der Herr der Ringe") auf den Hals, dessen sexy Gefährtin (Thandie Newton) im Hintergrund ihr weibliches Intrigenspiel betreibt. Am Ende kommt, was kommen muss: nämlich der Showdown zwischen Riddick und dem Lord Marshal im Necromonger-Mutterschiff. Raten Sie mal, wer gewinnt! Handlung mit begrenzter Haftung "Riddick" ist eine Achterbahnfahrt aus halsbrecherischen Stunts, ohrenbetäubenden Explosionen und beachtlicher (jedoch nicht immer überzeugender) Computermalerei, wobei der Plot vor allem zwei Aufgaben zu erfüllen hat: Vin Diesel ultracool aussehen zu lassen und eine Vorlage für das zum Film gehörende "X-Box"-Videogame zu liefern. Dass trotzdem eine Qualitätsschauspielerin wie Judi Dench in "Riddick" eine Nebenrolle spielt, hängt eher mit Vin Diesels hartnäckigem Charme (er überflutete ihre Londoner Theatergarderobe mit Blumensträußen) und einem dicken Gagenscheck zusammen als mit der Attraktivität des Stoffes. Ob Diesel, Dench und Co. auch für die beiden letzten Teile der geplanten Trilogie antreten dürfen, hängt vom Kassenerfolg des Streifens ab. Die anfänglichen Einspielzahlen aus Amerika klingen nicht überwältigend, die meisten Kritiken dafür vernichtend. Vielleicht sollte sich David Twohy mal mit Lars von Trier zusammensetzen.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.