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Kritik: Hemso (2001)


Zwei Unterhaltungsformen sind aus der türkischen Pop-Kultur nicht wegzudenken. Die eine ist die Trivialkomödie, welche über die Figur des Idioten oder des schelmenhaften Übervorteilers den Klamaukhumor sucht. Die andere ist das hemmungslos sentimentale Melodrama, dass sämtliche Register der Gefühle ziehen möchte. „Hemso –Der Kumpel“ bemüht beide Formen in abgeschwächter Art und mischt sie mit Actionelementen bzw. sozialkritischen Untertönen.

Die althergebrachte Methode der Blutrache stößt in der großen Stadt (Istanbul) auf Unverständnis. Auf pfiffige Art nutzt der mit dem Tod Bedrohte die Lücken im Kodex der alten Rituale aus, wenn er während der Gebetszeit vor seinem Feind flieht, da dieser währenddessen nicht töten darf. So nutzt „Hemso – Der Kumpel“ das bekannte Potential des Stadt-Land-Gegensatzes um im Klamauk das einzige Mittel zu finden, welches mit leichter Art das ernste Thema einer Kritik an antiquierten, unmenschlichen Traditionen behandelt. Die Komödie entlarvt die letztliche Lächerlichkeit der Blutrache, indem die schelmische Art des Bedrohten stets siegt. Zum Ende kippt „Hemso – Der Kumpel“ schließlich ins andere Extrem um. Eine als Nebengeschichte eingeführte Konfrontation zweier Prostituierter mit zwei Zivilpolizisten, welche sie als illegale Einwanderinnen nur durch Freinummern besänftigen können, liefert den Hintergrund für eine Fluchtgeschichte. Denn einer der Polizisten hatte aus Versehen eine der beiden Prostituierten getötet und nun will man die Zeugin los werden. Plötzlich wird aus dem tragikomischen Humor des Films ein gemeines Drama, das Brutalität mit Traurigkeit paart und so zu bewegen weiß.

Auch wer bis jetzt kein Interesse an dem Film hat, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, da hier eine der seltsamsten Untertitelungen bewundert werden kann. Falsche Satzstellung, falsch gebeugte Verben und andere Grammatikfehler sind in längeren Dialogpassagen an der Tagesordnung, und dennoch versteht man den Sinn. Ein fulminantes Plädoyer für den ehrlichen Versuch einer Völkerverständigung trotz sprachlicher Barrieren.





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