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Kritik: Die Diebin von Saint Lubin (1999)


"Die Diebin von Saint Lubin" steht in der Tradition des kleinen, engagierten französischen Films. Nie lässt die Regisseurin Claire Devers einen Zweifel daran, auf wessen Seite sie steht. Und so gelingt es ihr, in die Seele einer verzweifelten Frau zu schauen, deren Not sie fast in die Hände des Front National getrieben hätte. Von allen Seiten betrachtet das Drama die unangenehme Lage seiner Protagonistin.

Devers entwirft eine Tragödie zwischen sozialer Schieflage, juristischer Interpretation, Medienrummel und Bauernfängerei radikaler Parteien. Dabei deckt der Film einige böse Wunden im gesellschaftlichen System Frankreichs auf. Es grenzt schon an einige Perversität, wenn der alleinerziehenden Mutter, die einen schlecht bezahlten Job mit wenig Arbeitszeit ausübt, geraten wird, sich arbeitslos zu melden oder die Miete nicht pünktlich zu bezahlen, um besser über die Runden zu kommen. Hier offenbart sich ein Gemeinwesen, in dem die Begriffe von Redlichkeit und Schmarotzertum gründlich durcheinander geraten sind.

Es ist gleichzeitig Segen und Fluch von "Die Diebin von Saint Lubin", dass er so nüchtern erzählt ist. Auf der einen Seite werden präzise die einzelnen Aspekte aufgegriffen und ohne jegliche filmische Taschenspielertricks in Szene gesetzt, eine Qualität, die selten ist. Auf der anderen Seite bleibt er trotz des tragischen Schicksals, das er erzählt ein wenig kühl, weil man inzwischen an eine Überemotionalisierung im Kino gewöhnt ist. Dieser Konditionierung wird "Die Diebin von Saint Lubin" in seinem Realismus nicht gerecht und wird deswegen auch kaum kommerziellen Erfolg haben. Damit bleibt er ein stumpfes Schwert.





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