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Kritik: Walk don't Walk (2000)


Eine Stadt aus der Fußperspektive: Manhatten, die "Walking Town No. 1". Da es keine Parkplätze gibt, sind die Menschen gezwungen zu laufen. Die Folge ist der typische New Yorker Rhythmus, bei dem jeder einzelne Fußgänger seinen Takt hält.

In zwei Jahren Produktionszeit wurden 60 Stunden Filmmaterial zusammengetragen. Die Verdichtung auf 60 Minuten Spiellänge macht die musikalischen Kompositionen der verschiedenen Drehorte deutlich. Jeder Mensch in Manhatten ist wie ein Beat eines übergeordneten Musikstückes.

Thomas Struck zeigt Menschen auf der Jagd nach dem Glück, dem "pursuit of happiness". Menschen verschiedener Herkunft und Klassen, die nebeneinander hergehen. Auf ihre Extremitäten angesprochen, werden ihnen die unterschiedlichsten Statements entlockt. Viele bemerkten die Kamera gar nicht erst, die an einer Stange auf Sohlenhöhe befestigt und mit einer Fernbedienung ausgelöst wurde. Manche spielten mit und gaben bereitwillig Auskunft. Andere wiederum fühlten sich belästigt und hielten den Dokumentarfilmer für einen Spanner.

Tatsächlich spielt auch die Erotik, oder in diesem Zusammenhang besser gesagt der Fetisch eine nicht ganz unwesentliche Rolle in dem Dokumentarfilm. Neben einem erotischen Fotoshooting, kommt insbesondere die Chefredakteurin des Fachblatts "Leg Show", Dian Hanson, zu Wort. Sie spricht über die männliche Schwäche für schöne Frauenbeine und das Phänomen des Fußfetischismus.

Neben zufälligen Begegnungen, wählte Struck auch den New York Marathon als eine Sequenz, um eine weitere Facette - das Tempo - filmisch darzustellen. Dick Traum, einer der Läufer, stellt seine Sicht der zelebrierten Bewegung dar, die er trotz oder gerade aufgrund seiner Beinprothese mit Freuden genießt.

Die musikalische Untermalung von "Walk don`t Walk" stammt von dem Klarinettisten, Arrangeur und Komponisten Don Byron. Inspiriert von brasilianischen Rhythmen schlagen seine Füße den Takt zu den diversen Arten von Musik.

Thomas Struck eröffnet eine neue Sicht in eine bekannte Umgebung. Den Rhythmus einer pulsierenden Stadt wie Manhatten einzufangen ist von der Idee her zwar nicht gerade revolutionär, doch die Eröffnung der Fußperspektive schafft einen ungewohnten - wenn auch nicht abendfüllenden - visuellen Reiz.

Bleibt die Story, die Message oder auch die Erzählweise. Eine nachvollziehbare Idee wird in 60 Minuten Bildmaterial verpackt. Das ist keine Minute zu wenig, denn es fehlt der Doku leider an starken Momenten. Zu denen zählt zweifellos der behinderte Marathonläufer, so wie der Polizist der ohne Hemmungen seine Schuheinlage zeigt, oder auch der auf der Straße sitzende Obdachlose, für den die Fußperspektive von "Walk don`t Walk" wahrlich nichts neues sein dürfte.

Alles in allem ein Film, der anfangs zum Nachdenken anregt, zwischenzeitlich immer wieder amüsiert und doch wohl eher für Fußfetischisten ein Muss darstellt. Doch glaubt man Dian Hanson (Leg Show) soll es davon ja viele geben.






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