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Kritik: Der Felsen (2002)


"Der Felsen" wurde, mit großen Erwartungen befrachtet, auf der Berlinale uraufgeführt. Dominik Grafs erster Kinofilm seit "Die Sieger" von 1994. Nach der Vorstellung gab es Applaus und Buh-Rufe. Das Werk spaltet die Kritiker bis zum heutigen Tag der Kinopremiere. Hauptdarstellerin Karoline Eichhorn gibt im Spielfilm.de-Interview zu, dass ihr der Film nicht gefällt. Die Frau hat Geschmack.

Wenn stets über den Zustand des deutschen Films geklagt wird, über die schlechten Besucherzahlen und fehlenden Einnahmen - abgesehen von "Der Schuh des Manitu" -, dann sollte man sich mal "Der Felsen" ansehen, der auf Digitalvideo vermutlich nicht übermäßig teuer produziert wurde und dennoch keinen Gewinn abwerfen wird. Denn solch ein - man muss es leider sagen - prätentiöser Scheiß lockt keine Katze hinterm Ofen vor. Grobkörnige, unscharfe Kamera und Möchtegern-bedeutungsschwangere, über die Bilder gelegte Monologe machen noch kein großes Drama aus - sie lassen die dämliche Handlung nur noch viel schärfer hervortreten.

Und darum geht es: Ein Mann macht während des Korsika-Urlaubs Schluss mit seiner Liebhaberin und kehrt vermeintlich nach Deutschland zurück. In Wahrheit vergnügt er sich allerdings mit einer Italienerin weiter. Die sitzengelassene Geliebte steigt erst mit zwei Fremden ins Bett und dann mit einem jugendlichen Straftäter, der sie bestiehlt, mit einer Pistole um sich schießt, ihr Auto zertrümmert, ihren Ex krankenhausreif schlägt, und über den sie außerdem erfährt, dass er andere Frauen reihenweise flachlegt und seinen Vater erstochen hat. Dennoch will sie ihm helfen, vor der Polizei von der Insel zu fliehen, aber der 16jährige erledigt sich nach quälenden zwei Stunden Spieldauer mit einem Sprung durch eine Fensterscheibe selbst.

Karoline Eichhorn mimt eine erwachsene Frau - oder das, was Dominik Graf und sein Drehbuchautor dafür halten mögen. Vom ersten Moment an verhält ihre Figur Katrin dermaßen unglaubwürdig, dass man sich von der Handlung fast automatisch abgestoßen fühlt. Und mit laufender Spielzeit wird das immer schlimmer. Warum Katrin so handelt, wird nicht klar, es sei denn, man akzeptiert, dass fast ständig die Weinflasche im Anschlag hat und damit auf "unzurechnungsfähig" plädieren kann. Nur hilft das leider dem Zuschauer nicht, der den herbeigezwungen Wendungen der Geschichte wohl oder übel folgen muss. Dazu kommen weitere Unglaubwürdigkeiten wie zum Beispiel der Waffenbesitz des Jugendlichen, der letzten Endes sowieso völlig irrelevant ist, wie eigentlich so ziemlich alles. Wenn das am Schluss aber alles hochsymbolisch gemeint sein sollte - Entschuldigung, dann hätte sich der Drehbuchautor mal die Mühe machen sollen, eine Geschichte zu erzählen, wo sich das Entschlüsseln auch lohnt.

Graf, der sich hier zudem auch als Westentaschen-Oliver Stone versucht, und sein Team hatten hoffentlich wenigstens eine schöne Zeit auf Korsika, aber Karoline Eichhorn im Eva-Kostüm und Peter Lohmeyer in einer Nebenrolle können den unbefriedigenden Film auch nicht retten. Wie sagt Katrin noch gegen Ende von "Der Felsen": "Ich fahre nach Hause. Das hätte ich schon vor Tagen tun sollen." Sehr wahr. Dann wäre uns auch dieser Film erspart geblieben.






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