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Secretary - Poster
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© Arsenal

Kritik: Secretary (2002)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Bereits im vergangenen Jahr wurde "Secretary" auf dem Sundance Festival ausgezeichnet – und das Zurecht. Mit Maggie Gyllenhaal und James Spader in den Hauptrollen großartig besetzt, führt der Film ohne jede peinliche Sensationslust in Frust und Lust zweier Sadomasochisten ein, die sich mit ihrer Neigung noch einige Zeit auseinandersetzen und anfreunden müssen, bevor sie zu einem Paar zusammenfinden können. Dabei ist "Secretary" ein Paradebeispiel für visuelles Erzählen: Selten kommt ein Film mit so wenig Dialog aus ohne langweilig oder schwer verständlich zu werden. Schon mit der ersten Szene gibt Regisseur Steven Shainberg einen Vorgeschmack auf die skurrilen Szenen, die den Zuschauer etwa ab der Hälfte des Film, nach einem eher betrüblich wirkenden Anfang erwarten: Hände und Kopf in einen Pranger gespannt, einen Brief im Mund und einen Kaffee balancierend schreitet eine selbstbewusste junge Frau durch einen Gang auf dem Weg zum Büro ihres Chefs.
Schnitt, die selbe junge Frau, sechs Monate früher: Gerade ist die junge Lee Holloway aus der Psychiatrie entlassen worden. Sie ist extrem schüchtern, auf den häufigen Streit ihrer Eltern und den Alkoholismus ihres Vaters reagiert sie mit ständigen Selbstverletzungen. Bereits seit der 7. Klasse fügt Lee sich körperlich Schmerzen zu, sobald die seelischen Qualen zu stark zu werden drohen. Wie eine Suchtkranke hat sie sich hierfür sogar ein Etui mit allerlei spitzen und scharfen Gegenständen, Pflastern Alkohol und Jod angelegt, das sie wie einen Schatz hütet. Immer wieder versucht sie, von dem Selbstverletzungszwang loszukommen - und immer wieder kehrt sie zu der alten, liebgewonnenen und ihr Sicherheit bietenden Gewohnheit zurück. Dabei ist Lee nicht dumm – sie hat hervorragende Abschlussnoten vorzuweisen. Einen absolvierten Schreibmaschinenkurs will sie nun als Karrieresprungbrett nutzen: Ein Job als Sekretärin ist ihr Ziel.
Schon die erste Bewerbung ist mit Erfolg gekrönt. Lee wird Sekretärin bei dem Anwalt E. Edward Grey. Und der hat auch so seine Macken: Er demütigt und erniedrigt die junge Frau wo er nur kann. Dabei hat er natürlich nicht damit gerechnet, dass Lee, anders als all seine vorherigen Sekretärinnen, Gefallen an dem Dominanzspiel findet. Als er sie für einen Tippfehler mit Schlägen "bestraft", verschafft ihr das tatsächlich eine so starke Befriedigung, dass von nun an die Tippfehler überhand nehmen. Doch während Lee immer selbstbewusster die für sie so befriedigenden Schläge einfordert, wird ihr Arbeitgeber zusehends unsicherer. So unsicher, dass er das Objekt seiner Begierde schließlich feuert. Natürlich setzt Lee überaus phantasievoll und kreativ alles daran, ihren dominanten Anwalt zurückzugewinnen…
Mit "Secretary" hat Shainberg eine ungewöhnliche Romanze und Charakterstudie inszeniert, die voll und ganz von den beiden Hauptdarstellern getragen wird. Insbesondere Newcomerin Maggie Gyllenhaal, die sich im Verlauf vom hässlichen, unsicheren Entlein zur selbstbewussten, sexy Schönheit wandelt, spielt ihre nicht wirklich einfache Rolle mit einer Selbstverständlichkeit und Glaubwürdigkeit, die einige wesentlich erfahrenere Darstellerinnen noch nie erreicht haben. Dank der Leistung seiner Darsteller kann Shainberg ohne erklärenden Dialog bemühen zu müssen die Gegensätze, Abhängigkeiten und wechselhafte Beziehung der Charaktere darstellen.

Fazit: Wieder mal ein Film, der wesentlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätte, als ihm bislang zuteil wurde. Bleibt zu hoffen, dass er zumindest im TV oder auf Video/DVD von einem größeren Publikum entdeckt wird.




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