VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Venus.de - Die bewegte Frau (2000)


Das "Genre" des seltsamen Films ist um ein Kapitel reicher. Zu verdanken haben die deutschen Zuschauer das dem kleinen Verleih Rekord-Film, welcher bereits die Ehre hatte mit "Mob Cops" einen Film vorzulegen, der in den Multiplexen nicht einmal eine ganze Woche lang gespielt wurde. Nun erblickt also ein zwei Jahre alter Rudolf Thome Film das Licht der Kinoleinwände.

Explizit baut "Venus.de..." das Internet als neues Medium in seine Geschichte ein. Doch die erweist sich schließlich als derart altbacken und bieder, das sie genauso gut in den 50er Jahren hätte verfilmt werden können. Damals wäre dem Film vielleicht sogar ein Skandal gegönnt gewesen, aber heute erzeugt er nur noch ein müdes Lächeln.

Eine Frau schreibt als mediales Experiment ein Buch in der Öffentlichkeit des Webcam-erfassten Internets und betrügt, weil sie von einer zusätzlichen versteckten Kamera nichts weiß, den Augen der Familie zugänglich ihren Mann. Weder Dramatik noch tiefergehende Gefühle der Figuren trotzt Thome dieser Konstellation ab. Natürlich darf der betrogene Mann sauer werden und natürlich darf der Liebhaber irgendwann zur Schriftstellerin sagen "Ich liebe Dich". Aber das, was wie das eigentliche Thema des Films aussieht, nämlich die Beweggründe der Frau für ihr Tun oder die Auswirkungen des Internets auf das Leben, bleibt unklar. Die Psychologisierung ihres Charakters erlebt den Höhepunkt, wenn sie ihrem Liebhaber sagt: "Ich liebe meinen Mann, auch wenn ich mit Dir schlafe". Ganz beiläufig im Geschehen eingewirkt wäre das ja noch in Ordnung, aber wenn so eine Aussage zu einem zentralen Bedeutungssatz werden soll, hat ein Film endgültig eine Plattheitsschwelle nach unten durchschritten.

Vom Medialen Experiment und dem Internet bleibt auch nur übrig, dass es Webcams gibt. Nie findet die Geschichte einen Ansatz, das Internet so einzubinden, dass eine Auseinandersetzung mit dem Medium dabei herauskäme. Es ist im vorliegenden Fall schlicht überflüssig. Ein Schicksal, das der Film mit ihm teilt.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.