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The Day After Tomorrow
The Day After Tomorrow
© 20th Century Fox

Kritik: The Day After Tomorrow (2004)


Im bislang aufwändigsten Katastrophenfilm des Hollywood-Regisseurs bedrohen Superstürme, riesige Flutwellen und eine neue Eiszeit unseren Planeten – doch daran wäre das weit über 100 Millionen Dollar teure Mammutprojekt nach zwei Jahren Produktionszeit beinahe gescheitert. New York versinkt im Ozean, Tornados wüten in Los Angeles, eine dicke Eisschicht überzieht die Nordhalbkugel – was nach Kassandrarufen von besorgten Wissenschaftlern klingt, ist in "The Day After Tomorrow" ein Popcorn-Spektakel à la "Independence Day". Der bislang aufwändigste Film von Roland Emmerich beschreibt in überwältigenden Bildern einen radikalen Klimawandel, der die Menschheit innerhalb weniger Wochen an den Rand des Abgrunds drängt. Dieser Zeitrahmen ist zwar maßlos übertrieben, entspricht aber den dramaturgischen Erfordernissen dieses Genres. Damit aus einem Katastrophenfilm jedoch kein Filmdesaster wird, braucht man ein funktionales Skript und Identifikationsfiguren, die unter dem Eindruck von gigantischen Spezialeffekten die menschliche Dimension des Überlebenskampfes exemplarisch illustrieren und erfahrbar machen. Kein leichter Job für Dennis Quaid alias Jack Hall: Der Washingtoner Klimaforscher, dessen Sohn Sam ("Donnie Darko" Jake Gyllenhall) mit ein paar Überlebenden im überfluteten New York gefangen ist, eilt seinem Sprössling in einem dramatischen Wettlauf gegen die Eiszeit zur Hilfe. Der Teenager verliert derweil sein Herz an eine äußerst attraktive Schulkollegin (Emmy Rossum aus "Mystic River") und entwickelt – ganz der Papa – ungeahnte Führungsqualitäten. Die brauchte auch der Regisseur. Emmerichs Hauptproblem waren dabei nicht die winterlichen Dreharbeiten in riesigen Wassertanks, die Koordination enormer Windmaschinen oder das Handicap der Darsteller, meistens nur vor einer blauen Wand zu spielen. Auf der Kippe stand die Mammutproduktion erst in der mehr als ein Jahr langen Nachbearbeitungsphase, in der die "Blue Screens" genannten Platzhalter im Computer zum Leben erwachen sollten. "Wir alle haben uns total verschätzt", räumt Emmerich rückblickend ein. In einer regelrechten Notoperation mussten die Filmemacher über 140 zum Teil essenzielle Trickeinstellungen auf neue Effektfirmen verteilen, sodass am Ende etwa zehn verschiedene Studios an "The Day After Tomorrow" arbeiteten. "Es war entsetzlich für uns alle", erinnert sich Emmerich. "Nachts stand ich aufrecht im Bett und war ein paar Mal so verzweifelt, dass ich den Starttermin des Films verschieben wollte. Einmal war ich dermaßen deprimiert, dass mir die Tränen in den Augen standen." Zum Glück ist das Ergebnis nicht zum Heulen: Zwar wirken die computergenerierten Katastrophen und Kulissen streckenweise uneinheitlich oder sogar künstlich – die digitalen Bilder von "The Day After Tomorrow" halten dem Vergleich mit Volker Engels meist konventionellen Tricks bei "Independence Day" nur ausnahmsweise stand. Viel wichtiger ist allerdings, dass die Geschichte des zwei Stunden langen Streifens funktioniert und – anders als etwa "Van Helsing" – an den Gefühlen der Zuschauer rüttelt. Und das ist Roland Emmerich gelungen: Trotz Eiszeit lässt "The Day After Tomorrow" keinen kalt.





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