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Jindabyne - Irgendwo in Australien
Jindabyne - Irgendwo in Australien
© 2007 Sony Pictures Releasing GmbH

Kritik: Jindabyne - Irgendwo in Australien (2006)


Inszeniert von Ray Lawrence ist „Jindabyne“ die in Zeit und Spielort variierte Adaption der von Robert Altman bereits für eine „Shortcuts“-Episode genutzten Kurzgeschichte „So Much Water, So Close to Home“ von Robert Carver.

Was wie ein Thriller mit dem Mord an der jungen Frau beginnt, deren Leiche später von den vier Männern im Fluss gefunden wird, entpuppt sich im Verlauf als Drama, in dessen Mittelpunkt die schon vor dem Leichenfund aus verschiedenen Gründen mächtig angeknackste Ehe von Stewart und Claire steht.

Der idyllische Stausee mit dem unter der Oberfläche schlummernden Örtchen Jindabyne ist denn auch eine schöne Metapher für die unausgesprochenen, verdrängten Probleme des Paars – oder aber, liest man „Jindabyne“ als Kritik an der gegenwärtigen australischen Gesellschaft, auch ein Bild für verdrängte gesellschaftliche Spannungen und ethnische Konflikte.

Gabriel Byrne und Laura Linney liefern sich in ihren Rollen als sprachlos entfremdetes Paar Stewart und Claire ein Schauspiel-Duell auf höchstem Niveau. Ohne viel Dialog, mit kleinen Gesten und Blicken offenbaren sie die unterschiedlichen Denk- und Sichtweisen der beiden Hauptfiguren: Während Stewart rein pragmatisch denkt und die Aufregung nicht verstehen kann (immerhin war die Frau ja schon tot, es gab also nach der Sicherung des Leichnams nichts weiter zu tun), erkennt die emotionale und sensible Claire sofort die Tragweite des Vorfalls und zeigt sich unfähig, die Gedankengänge ihres Mannes nachzuvollziehen.

Lawrence Inszenierung ist ruhig, unaufdringlich und sorgfältig. Um die Spannung möglichst lange aufrecht zu erhalten, lockt Regisseur Lawrence die Zuschauer immer wieder auf falsche Fährten. Mehr als einmal lassen die Bilder irgendwelche grauenhaften Ereignisse erwarten: Die (nur scheinbar) subjektive Kamera vermittelt das Gefühl, als lauere ein versteckter Beobachter in den Tiefen des Sees, im Wald oder im Garten, immer bereit sich auf die Protagonisten zu stürzen. Verstärkt wird dieses Gefühl der ständigen Bedrohung durch Verweise auf den ungestraft umherstreifenden Mörder.

Diese Irreführung der Zuschauer funktioniert zwar einerseits ganz gut, lässt einen aber andererseits etwas enttäuscht zurück, wenn man schließlich feststellen muss, dass es sich eben nicht um einen Thriller handelt und die Auflösung des Mordfalls ausbleibt. Trotz dieser kleinen Enttäuschung ist „Jindabyne“ gut gelungen – zwar nichts für Liebhaber großer Action, empfehlenswert aber für alle, die ruhige Dramen mögen, die, wie etwa auch Finchers „Zodiac“, lange nachwirken.





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