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Die Letzte Legion
Die Letzte Legion
© TOBIS Film

Kritik: Die Letzte Legion (2007)


Regisseur Doug Lefler begann seine Karriere als Storyboard-Zeichner, stieg dann bei „Spider-Man“ zum Regisseur des zweiten Aufnahmeteams auf und inszenierte anschließend einige Episoden der Serien „Hercules“, „Xena“ und „American Gothic“ sowie das (nur auf DVD veröffentlichte) Abenteuer-Sequel „Dragonheart 2 – Ein neuer Anfang“. Mit „Die letzte Legion“ gibt Lefler also sein Debüt auf dem Regiestuhl eines Kinofilms – und gelungen kann man dieses Debüt leider nicht wirklich nennen. Es ist wohl ein klassischer Fall von „zu viel gewollt“: Unentschlossen pendelt der Film zwischen historischem Sandalenschinken, Action-Film, familienfreundlichem Abenteuer mit Fantasy-Einsprengseln und Romanze hin und her und jagt dabei durch einen etwas verworrenen, pseudo-historischen Plot, der die Helden zu Fuß, Pferd und Schiff quer durch Europa führt.

Die Story spielt im Jahr 476 nach Christus, dem Krönungsjahr des letzten west-römischen Kaisers und wird aus dem Blickwinkel dieses erst 12-jährigen Cäsars erzählt. Kaum zum Kaiser des römischen Reiches gekrönt wird der junge Romulus Augustus Zeuge, wie seine Eltern von einfallenden Gotenhorden ermordet werden. Er selbst wird von dem Gotenfürst Odoaker mit seinem Mentor, dem weisen Druiden Ambrosinus, auf die Insel Capri verbannt. Einer Hand voll Getreuer unter Führung von Romulus Leibwächter Aurelius aber gelingt es, die beiden zu befreien und, zurück auf dem Festland, einen ersten Sieg gegen die gotischen Besatzer Roms davon zu tragen. Allein: Was nutzt eine trickreich gewonnene Schlacht, wenn man keine Armee mehr hat?Aurelius weiß Rat: Verfolgt von den Goten führt er seine Freunde auf die Insel Britannien, wo die neunte Legion stationiert ist – die letzte loyal zu Rom stehende Legion.

Mit dem Oscar-gekrönten Ben Kingsley und Colin Firth in Hauptrollen sowie unter anderem John Hannah und Peter Mullan in Nebenrollen ist „Die letzte Legion“ an sich hochkarätig besetzt, um so überraschender, dass hauptsächlich der junge Hauptdarsteller Thomas Sangster zu überzeugen weiß. Männlichen Kinobesucher wird dafür aber mit Bollywood-Königin und Ex-Miss World Aishwarya Rai als byzantinische Martial Arts-Amazone Mira ohne Frage eine ganz besondere Augenweide geboten. Weibliche Wesen müssen hingegen mit Colin Firth im Lederdress Vorlieb nehmen, und der ist nun wahrlich kein Vergleich.
In den Action-Szenen überraschen unsere Helden, allen voran die byzantinische Amazone, mit Superhelden-Kräften im Stil von Marvel-Comic-Figuren – da wird ein wildgewordener Gotentrupp von der zierlichen Schwertkämpferin mal so im Alleingang erlegt und eine armselige Truppe von Ex-Legionären metzelt eine ganze Armee nieder. Blut fließt dabei übrigens nur spärlich – bei dem Versuch, eine familienfrendliche Freigabe zu erhaschen, wurde auf diese unwesentliche Kleinigkeit so weit als eben möglich verzichtet. Blutleer wie die Krieger selbst ist auch die sich anbahnende Romanze zwischen Aurelius und Mira – immer mal wieder wird sie aufgegriffen, aber letztlich wächst sie doch nie so richtig über eben diesen Status „sich anbahnend“ hinaus – mitfiebern lässt einen dieser vorhersehbare, von gelegentlichen Kämpfen unterbrochene Dauerflirt ebenso wenig wie der Rest des Films. Und genau das ist dann wohl auch das größte Manko des gesamten Films: Das ganze wilde Treiben kräftiger Kerle in lustigen Kostümen lässt einen einfach nur kalt.

Fazit: Für einen DVD-Abend mit Freunden, bei dem man gelegentlich eine Pause einlegt und ohnehin abgelenkt wird, vielleicht noch ganz nett, für einen gemütlichen Kinoabend aber gibt es besseres.





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