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Snow Cake
Snow Cake
© Kinowelt Filmverleih GmbH

Kritik: Snow Cake (2005)


Bloß nicht von der Inhaltsangabe abschrecken lassen! "Snow Cake" liegt nicht schwer im Magen, sondern hinterlässt als typischer Feel Good Film höchstens eine wohlige Wärme im Bauch. Dabei geht es um Autismus, Tod, Trauer und Reue, angesiedelt im zermürbend langen Winter der kanadischen Provinz Ontario.
Warum das nicht deprimierend ist?
Weil der englische Regisseur Marc Evans die Geschichte mit Humor erzählt und mit Schauspielern, auf die man sich verlassen kann und Dialogen, die geschickt sämtliche Klischeeminen umschiffen – zumindest im englischsprachigen Original, auf das sich diese Kritik bezieht. Bewegende Szenen rollen geschmeidig ab, unterstützt von teils gewagten Witzen. Dass man sich die erlauben kann, liegt womöglich an der besonderen Sensibilität der Drehbuchautorin Angela Pell – selbst Mutter eines autistischen Sohnes.
Rickman taucht zunächst als der auf, den er fast immer darstellt: Engländer, gehobene middle class, britische Zurückhaltung+süffisante Ironie. Zusätzlich noch schweighaft und dementsprechend wenig gewillt, eine redselige, leicht schräge Tramperin mitzunehmen. Dass er es doch tut, ist nur allzu verständlich: Emily Hampshires sprühenden Charme, der auch nach ihrem Unfalltod noch nachhallt, kann man einfach nicht gut an sich abprallen lassen. Mit ihrem abrupten Tod entpuppt Rickman seinen Charakter, von Schock zu Schock, sachte und nuanciert.
Weaver spielt mit der ihr eigenen Präzision und völlig ungeschminkt. Eine Szene aus ihrer Perspektive bildet das Herz des Films. Weavers Figur, die Autistin Linda, ist ganz gewiss kein genialer Rain Man. Intelligent zwar auch, sowie vom Drang besessen, sämtliche sie umgebende Alltagsgegenstände in akkurater Ordnung zu erhalten, aber weit weniger weltfremd. Sie begreift immerhin, wie Menschen emotional funktionieren, selbst wenn das außerhalb ihrer Empfindungsfähigkeit liegt. Zu neunundneunzig Prozent jedenfalls – wer es beim Scrabble-Spiel vermag, Punkte-heischende Nonsenswörter mit poetischen Comic-Szenen zu belegen, kann gar nicht völlig unempfindsam sein. Ganz hier und jetzt existiert Sigourneys Linda allerdings auch nicht. Dazu spielt sie viel zu gebannt mit glitzernden Klangkugeln, anstatt um ihre Tochter zu trauern... Den Erwartungen an das Thema Autismus begegnet der Film, indem ein paar Allerwelts-Fakten, die man so über Autisten zu wissen glaubt, untergebracht werden – wie beispielsweise die Angst vor jeglichen Änderungen im Alltag.
Was man mitnimmt, hat damit jedoch nichts zu tun: Die Autistin Linda ist auf keinen Fall ein tragischer Fall, sondern eine vollständige Persönlichkeit, die es nicht verdient, mit Mitleid beleidigt zu werden. Das und, wie eingangs gesagt, eine gewisse Zuversicht – Resultat eines sonnigen, charmanten Winterfilms mit Tiefe.




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