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Odette Toulemonde
Odette Toulemonde
© 2006 Senator Film, alle Rechte vorbehalten.

Kritik: Odette Toulemonde (2007)


Das Regiedebüt des französischen Schriftstellers Eric Emmanuel Schmitt ("Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran") ist ein warmherziges Märchen geworden, wenn auch mit einigen Abrutschern in brachial-romantische Niederungen - ohne eine sehr elastische Kitschtoleranz dürfte der Film wenig Vergnügen bereiten.

Odette Toulemonde ist entgegen ihrem Namen keine Allerweltsfrau, sondern eine niedliche und reichlich verschrobene Witwe jenseits der Fünfzig. Sie lebt in einem schäbigen Stadtviertel mit ihrer mürrischen Tochter, deren schmuddeligem Freund und ihrem schwulen Sohn (und dessen wechselnden Lovern). Aber: Sie kann fliegen. Dank ihrem Märchenprinzen Balthazar Balsan, seinerseits Autor von Hausfrauenromanen. Seine Bücher und Josephine Bakers Gesang sind es, die ihrem Alltag Auftrieb geben – sobald sie einen Balsan liest, entrückt die sonst so bodenständige Verkäuferin ihrer Umgebung und schwebt gen Himmel. Und wann immer Josephine singt, schwingt Odette Lippen-synchron das Tanzbein, was allerdings den Rhythmus des Films meist aus dem Schritt bringt. Auch sieht es oft nicht so aus, als wäre der Schauspielerin wirklich ganz wohl dabei. Die märchenhafte Odette – bezaubernd gespielt von der in Frankreich berühmten Darstellerin Catherine Frot – erscheint nicht als Aschenbrödel aus dem Arbeitermilieu, sondern erinnert mit adretter Kleidung, patenten Ratschlägen und ihrer Gabe, zu fliegen, an Mary Poppins.
Ein Durchschnittstyp ist auch Balthazar nicht. Er schreibt, wie ihm ein Kritiker vorwirft "für Frauen, die Fotos von Sonnenuntergängen sammeln" – Odettes Schlafzimmer ziert nicht nur eine ganze Fototapete damit, nein, sie sammelt auch noch Püppchen. Gut für sie, dass der Verfasser von banalsten einträglichen Romanzen kein zynischer Schreiberling, sondern ein naives Sensibelchen ist, das von seiner schönen Frau betrogen wird – ausgerechnet mit dem Literaturkritiker, der ihn zuvor im Fernsehen so genussvoll verrissen hat.
Die grotesk übertriebene anbetungsvolle Liebe zu dem Autor (Wunschdenken des Regisseurs?), mit der Odette Balthasar bei der ersten Begegnung gegenübersteht, wandelt sich schließlich unvermittelt in fast beiläufige Zuneigung, als Balthasar nach einem Selbstmordversuch überraschend bei ihr auftaucht und schließlich zu ihr zieht. Eine von mehreren holprigen Stellen, an denen man den Autor daran erinnern möchte, dass auch verschrobene Charaktere sich selbst treu sind und einer inneren Logik folgen. Merkwürdig auch, dass einer Märchenhandlung völlig abrupte dramatische Wendungen aufgepfropft werden – retarded statt retardierend.
Aber immerhin hat der Regie-Neuling offensichtlichen Spaß am visuellen Erzählen. Beispielsweise werden Odettes Lebensumstände auf behutsame, witzige Weise enthüllt und mit putzigen Details versehen, wie einem "persönlichen Jesus".
Ein wackeliges Debüt, das dennoch Lust auf mehr macht.






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