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Kritik: Hallam Foe (2007)


Hallam Foe macht es einem nicht leicht, ihn zu mögen, wenn er dreist und unbekümmert anderen Menschen bis ins Privateste nachspioniert und sich in die Doppelgängerin seiner toten Mutter verliebt, der er mit deutlich ungesunder Besessenheit nachtrauert. Doch mit Charme, Geschick und scheinbarer Unschuld gewinnt er immer wieder zurück, was er mit dem Kleid seiner Mutter angetan und einem Dachsfell auf dem Kopf verliert. Ist er nun ein krankhafter Spanner oder harmloser Spinner? Oder sieht er einfach nur mehr als andere? Der siebzehnjährige Schotte Hallam Foe hat nach dem rätselhaften Tod seiner Mutter sein eigenes Leben aufgegeben: Er haust in einem Baumhaus voller Erinnerungsstücke auf dem Anwesen seines Vaters und belauert das ganze Dorf, sowie seine eigene Familie – den Vater (Ciarán Hinds), seine verhasste Stiefmutter (Claire Forlani) und seine Schwester Lucy. Die böse Stiefmutter ist tatsächlich eine hübsche, gerissene Ex-Sekretärin seines Vaters, die ausgerechnet Verity (= Wahrheit) heißt. Als sich Lucy nach Australien absetzt, eskaliert die Situation zwischen Hallam und Verity – er wirft ihr den Mord an seiner Mutter vor. Und die teilweise erstaunliche Geduld, die sein Vater ihm gegenüber aufrecht erhält, lässt ahnen: Irgendwas ist faul in der Highland-Idylle.
Verity zwingt Hallam schließlich dazu, "das Nest" zu verlassen. Dies befolgt er wie der kleine Vogel im witzigen Anime-Intro zum Film, nämlich von konfusen Instinkten getrieben. Flügge wird Hallam auch in Edinburgh zunächst nicht. Zwar lässt er sich angstlos und selbständig auf die Stadt ein. Was ihn aber nach wie vor antreibt, ist die Sehnsucht nach der Mutter. Und wie zuvor lebt er nicht selbst, sondern beobachtet andere Leute. Speziell die junge Hotel-Personalchefin Kate (Sophia Myles), welche seiner Mutter gleicht. Er lässt sich von ihr den dreckigsten Küchenjob geben und spioniert ihr unablässig hinterher... Der schottische Regisseur David McKenzie zeigte schon mit "Young Adam" sein Faible für extreme Gefühlswelten. "Hallam Foe" knüpft daran an, ist allerdings frischer, schneller und steckt voller Überraschungen, sowie smarten Reminiszenzen, etwa an "Das Fenster zum Hof", "Blue Velvet" und "Rebecca". McKenzie adaptierte den gleichnamigen Roman von Peter Jinks (deutscher Titel: "Über roten Dächern") auf seinen Hauptdarsteller Jamie Bell hin, der jüngst schon in "Wendy" einen merkwürdig verstörten Teenager mimte. Die Übung zahlt sich aus: Lässig lässt er durchscheinen, dass es unter Hallams meist ruhiger Oberfläche brodelt. Mit der sechs Jahre älteren Sophia Myles hat Bell eine mindestens ebenbürtige Partnerin an seiner Seite: Allein mit ihrer Art zu sprechen zeigt sie ebenfalls schnell, dass hinter Kates adrettem Kostüm und zupackendem Auftreten auch eine leicht verstörte Seele steckt.
Hallams Trieb entsprechend spielen viele Szenen nachts oder im fahlen Licht der schottischen Landschaft, untermalt vom melancholisch-hippen Soundtrack: Sämtliche Songs stammen vom Britpop Label Domino Records, allen voran Franz Ferdinands Titelstück "Hallam Foe Dandelian Blow". Auch wegen dieser atmosphärischen Komposition sei der Film allem denjenigen ans Herz gelegt, die eigenwillige Coming-of-Age-Geschichten à la "Der Eissturm", "Igby goes down" und "Garden State" mögen - wenngleich Hallams nicht völlig plausible psychologische Entwicklung tiefe Anteilnahme erschwert.





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