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Kritik: Krabat (2007)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

1971 erschien die Erstausgabe von Ottfried Preußlers Jugendbuch-Klassiker "Krabat", dessen Geschichte auf einer alten westslawischen Sage basiert. Preußler wurde dafür im Jahr darauf unter anderem mit dem Deutschen Jugendbuchpreis und dem Polnischen Jugendbuchpreis prämiert. Inszeniert wurde die Verfilmung von Marco Kreuzpaintner, der zum Zeitpunkt der Dreharbeiten (2008) erst 30 Jahre alt war. Er drehte sein Fantasy-Drama in den rumänischen Karpaten und einigen Schwarzwald-Gemeinden.

Marco Kreuzpaintners Respekt und Liebe dem Original gegenüber sind hier überdeutlich, da der Regisseur dem düsteren, schwermütigen Tonfall des Romans sehr nahekommt. Das fällt auch zwölf Jahre nach dem erstmaligen Kinostart sehr positiv ins Gewicht. Preußler versteckt in seiner Geschichte subtil die Message von der Gefahr durch Verführung und Beeinflussung sowie Charisma als Machtinstrument. Damit spielt der Autor auf die Strahlkraft Hitlers und der Nazis an, deren Schreckensherrschaft der junge Preußler noch selbst erlebte.

David Kross fühlt sich von seinem Lehrmeister einerseits Wert geschätzt und respektiert. Er erhält von ihm jene Aufmerksamkeit und Zuwendung, nach der er sich so lange gesehnt hat. Andererseits aber geht von der schwarzen Magie, wie er bald feststellen muss, eine große Gefahr aus. Für ihn und die Menschen im Allgemeinen. Diesen inneren Konflikt seiner Figur legt Hauptdarsteller Kross leidenschaftlich und authentisch offen. Ihm in nichts nach steht Christian Redl als diabolischer, finsterer Ober-Magier, der Jahr für Jahr einen seiner Lehrlinge opfert, um sein eigenes Leben zu verlängern. Obwohl der Film mit seiner düsteren Bildsprache und der unheilvollen Stimmung nichts für die allerjüngsten Kinobesucher ist, reiz er seine bedrohliche Atmosphäre auch nie derart aus, dass sich "Krabat" in Richtung Horrorfilm bewegt.

Die einzige Schwäche des Films ist die etwas oberflächliche, den Zuschauer weitestgehend unberührt zurücklassende Liebesgeschichte zwischen Krabat und der charismatischen Kantorka. Ausgebügelt wird dies durch das stimmige, homogene Gesamtkonzept aus imposantem Produktionsdesign, malerischen Landschaften und glaubhaften Requisiten, die auf wahrhaftige Weise ins mittlere 17. Jahrhundert zurückversetzen. Eine Zeit, in der die Pest wütete und die Menschen auf dem Land in bitterer Armut lebten.

Fazit: Toll bebildertes, atmosphärisches Fantasy-Abenteuer mit einer universellen Geschichte und überzeugenden Darstellern.




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