oder

Das Waisenhaus (2007)

El Orfanato

Thriller: Laura kehrt mit ihrem siebenjährigen Sohn Simón an den Ort zurück, an dem sie aufgewachsen ist: ein verlassenes Waisenhaus, das sie nun wieder zum Leben erwecken will. Aber es wird ihr unheimlich, als ihr Sohn von unsichtbaren Freunden erzählt, die er gar nicht kennen dürfte: ihre alten WaisenhausfreundeUser-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.9 / 5

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Es ist eine Reise in die Vergangenheit: Laura (Belén Rueda) kehrt nach 30 Jahren an den ort ihrer frühen Kindheit zurück. Mit ihrem Mann Carlos (Fernando Cayo), einem Arzt, hat sie ein altes Herrenhaus gekauft, das einsam und majestätisch an einer Steilküste am Atlantik steht. Es ist das ehemalige Waisenhaus, in dem sie aufgewachsen ist.
Laura und Carlos wollen das Haus renovieren und dort ein Heim für behinderte Kinder ins Leben rufen. Ihr siebenjähriger Sohn Simón (Roger Príncep) ist nur bedingt begeistert von dieser Idee, er fürchtet sich ein wenig in den alten Gemäuern.

Simón ist ein Junge mit viel Phantasie. Als er von unsichtbaren Kindern wie Tomás erzählt, die in dem Haus wohnen, denkt sich Laura zunächst nichts dabei. Schon früher hat sich der Junge imaginäre Spielkameraden ausgedacht. Doch Simón wird immer stärker in den Bann der unsichtbaren Mitbewohner gezogen. Er beginnt, Bilder von sechs merkwürdigen Gestalten zu zeichnen. Laura registriert mit Sorge, dass einer der imaginären Spielkameraden laut Simón ausgerechnet in einer gefährlichen Höhle am Meer lebt, die bei Flut unter Wasser steht.

Eines Morgens klingelt eine seltsame alte Dame (Monserrat Carulla) bei der Familie, die sich als Benigna Escobedo vorstellt und erklärt, sie käme vom Sozialamt. Sie wird wegen Simóns Akte vorstellig, für den Fall, dass die Eltern Hilfe bräuchten - im Hinblick auf seine Krankheit. Laura ist irritiert, dass sich die Fremde sehr offensiv in ihre Angelegenheiten einmischt und bittet den ungebetenen Gast zu gehen. Simón weiß weder, dass er adoptiert wurde, noch, dass er HIV positiv ist. Laura möchte auch, dass das zunächst einmal so bleibt.
Doch schon kurze zeit später erklärt Simón seiner Mutter beiläufig, er würde ja nicht alt werden. Das hätten seine neuen Freunde ihm verraten. Laura ist fassungslos und vermutet, dass ihr Sohn sein Lieblingsbuch Peter Pan etwas zu ernst nimmt. In dieser nacht hört Laura Geräusche, die aus dem Gartenhaus zu kommen scheinen. Sie schleicht sich hinunter und erstarrt vor Entsetzen, als sie Benigna dort vorfindet. Noch bevor sie ihren Mann holen kann, ist die Alte jedoch verschwunden.

Simón weiht seine Mutter in ein Spiel ein, das seine unsichtbaren Freunde mit ihm veranstalten. Dabei entwenden sie einen Gegenstand, der einem wichtig ist. um ihn wiederzufinden, muss man wie bei einer Schnitzeljagd der Spur folgen und dabei verschiedene Gegenstände ihrem ursprünglichen Standort zuordnen. Laura glaubt nach wie vor, dass Simón sich das alles selbst ausdenkt. Doch als er im Zuge des Spiels eine ihm verbotene Schublade öffnet, in der sich Dokumente über Simón und seine Krankenakte befinden, hört für die entsetzte Mutter der Spaß auf. Im Streit wirft Simón Laura an den Kopf, dass sie ja ohnehin nicht seine richtige Mutter sei. Auch das hätten ihm seine Freunde verraten. Laura ist ratlos...

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Filmkritik

Die Mär von den unheimlichen Begegnungen der etwas anderen Arten in unheimlichen und schicksalsgebeutelten Spukhäusern ist wahrlich nichts Neues. Es kommt aber darauf an, wie und auf welche Weise Spannung und Dramatik erzeugt wird. Fernab von bluttriefenden Slasher-Streifen gelingt es Juan Antonio Bayona mit seinem exzellent schaurigen Regiedebüt sein schrecklich schönes Scherflein zum beachtenswerten Großangriff des spanischen neuen Kinos beizutragen. Obwohl hier Luis Buñuel als nihilistisches Filmvorbild Pate stand. Produziert wurde dieser schimärische Trip von keinem Geringeren als Mystery- und Fantasy Spezialist Guillermo del Toro. Der machte sich mit begnadeten Gänsehautepen wie „Pans Labyrinth“ oder auch „Hellboy“ einen mehr als nur guten Namen. 

Und Unheimliches besitzt ebenfalls seinen Namen, nämlich eben dieses Waisenhaus, trotz kleinerer Schwächen in der Dramaturgie ein sensitiver und stilistisch extraordinärer Horror: Kein gewöhnlicher Konfektionskracher mit übernatürlichen Elementen übergeschmückter Thriller, sondern intensiv und insistierend. Mit Überraschungsmomenten, die den Betrachter in ihren Bann ziehen. Wunderbar, wie Bayona die Elemente seines atmosphärisch fesselnden Films minutiös arrangiert; es sind alle Elemente seines unheimlichen Gruselhorrorfilms richtig. Er setzt kleine, feine Effekte, wie Geräusche, Trugsequenzen und Traumbilder, die das herrschaftliche Haus beherbergt. Bleiern belastet von seiner horriblen Vergangenheit. Ein Schrecken ohne den Vorschlaghammer, sondern minimale Attribute, diffizile Ungewissheiten, die jedoch effektiv erschaudern lassen. Nicht ohne den Bezug zur Realität zu verlieren; alles ist in der Schwebe, alles ist möglich wie scheinbar unmöglich, vor allem aber tragisch.

Stilistisch überzeugt der Engagierte mit Kraft, Klarheit und Selbstbewusstsein: So dirigiert Bayona seinen professionell agierenden Kameramann Óscar Faura durch die Klaustrophie einer angsterzeugenden Kulisse, gebannt auf Breitwandbilder, die perfekt mit Licht und Schatten jonglieren. Wie einstens es Hitchcock in „Psycho“ bewies, eine Methode der Andeutung von Unheilvollem, die wesentlich profunder Angst evoziert als Gesehenes und Geschehenes. Keine peinlichen Schocks sondern perfide Scheinbarkeit etablieren hier die ewig schleichende Spannung und Bedrohung.

„Das Waisenhaus“ lief 2007 an der Croisette in Cannes im Rahmen der „Semaine de la Critique“ und wurde dort euphorisch gefeiert. Seine Heimat Spanien eroberte Bayonas Debütfilm ebenso im Fluge. Kein Wunder also, dass schon in den ersten sechs Wochen „Das Waisenhaus“ auf Platz Eins der dortigen Kinocharts rangierte, um weit über 23 Millionen Euro einzuspielen.




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Land: Spanien
Jahr: 2007
Genre: Thriller, Horror
Länge: 102 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 14.02.2008
Regie: Juan Antonio Bayona
Darsteller: Mabel Rivera, Andrés Gertrúdix, Geraldine Chaplin
Verleih: Senator Film

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