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Nordwand (2007)

Berg-Abenteuer von Philipp Stölz über den im Jahr 1936 gescheiterten Versuch der Erstbesteigung der Eiger NordwandUser-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.9 / 5

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Als Erster die berühmt-berüchtigte Eiger Nordwand zu bezwingen – im Sommer 1936 ist das der Traum vieler Bergsteiger aus ganz Europa. Auch die Gedanken der beiden Berchtesgadener Kletter-Asse Toni Kurz (BENNO FÜRMANN) und Andi Hinterstoisser (FLORIAN LUKAS) kreisen um nichts anderes. Die beiden sind überzeugt, dass sie es schaffen können, auch wenn bereits zahlreiche Versuche in der "Mordwand" tödlich endeten. Doch mit der Erstbesteigung winkt nicht nur der ersehnte soziale Aufstieg,
sondern auch olympisches Gold.

Während der Vorbereitungen am Fuß der Nordwand treffen Toni und Andi überraschend auf Luise (JOHANNA WOKALEK), Tonis Jugendliebe, die als Journalistin an der Seite des Nazi-treuen Reporters Arau (ULRICH TUKUR) über die Erstbesteigung berichten soll. Toni liebt Luise immer noch, aber sie scheint dem charmanten Arau zu erliegen. Verzweifelt beginnt Toni mit Andi den Aufstieg in die Nordwand, dicht gefolgt von den beiden Österreichern Willy Angerer (SIMON SCHWARZ) und Edi Rainer (GEORG FRIEDRICH). Zunächst läuft alles hervorragend und beide Seilschaften kommen schnell voran. Von der Terrasse des Grand Hotels am Fuß des Eigers werden sie mit Fernrohren voller Spannung
von zahlreichen Schaulustigen und der Weltpresse beobachtet - auch von Luise, die erkennt, dass Toni ihre wahre Liebe ist.

Doch dann verlieren die Bergsteiger die Kontrolle: Willy wird von einem Steinschlag am Kopf verletzt, das Wetter schwingt um und die vier Alpinisten werden zur Umkehr gezwungen. Mal wieder sieht es so aus, als würde der Berg gewinnen – und während in der Nordwand ein dramatischer Kampf ums Überleben tobt, macht Luise sich auf, ihren Geliebten zu retten.

Ein Wettlauf mit der Zeit und den Naturgewalten beginnt...

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Nordwand - KinoplakatNORDWANDNORDWANDNORDWANDNORDWANDNORDWAND


Filmkritik

Zugegeben: Ich bin ein Flachland-Tiroler. Der Berg hat mich noch nie gerufen, ganz im Gegenteil: Ich habe Höhenangst. Und "Nordwand" ist nicht gerade der Film, das zu ändern. Die nach wahren Begebenheiten erzählte Geschichte des im Jahr 1936 gescheiterten Eiger-Erstbesteigungsversuchs ist dann doch eher abschreckend, kommt doch das Ende wie die böse Pointe eines fiesen Drehbuchautoren daher. Auf die Spitze getrieben wird die Tragik durch die hinzugedichtete Romanze, die es erlaubt, vom Überlebenskampf auf dem Eiger immer wieder zu der gepflegten Langeweile und voyeuristischer Sensationgier der Zuschauer im Hotel zu schneiden.

Abschreckend wie der Storyverlauf ist denn auch die Optik, für die sich Regisseur Philipp Stölz und Kameramann Kolja Brandt entschieden haben: Karstig, düster und drohend überschattet der Eiger alles andere als einladend das gesamte dramatische Geschehen. Und die Menschen, die sich dennoch an den Aufstieg wagen, werden von Nebel, Eis und Schneetreiben förmlich verschluckt, bis sie vom Berg kaum noch zu unterscheiden sind. Der eher harte realistische Look passt nicht nur perfekt zum Plot, sondern erinnert gleichzeitig an jene frühen deutschen Bergfilme der Filmemacher Arnold Fanck, Luis Trenker und Leni Riefenstahl die, beeinflusst von der Jugendbewegung der Weimarer Zeit, den Mensch sowohl als Teil als auch als Bezwinger der als erhaben empfundenen Natur feierten. Filme also wie "Der Berg des Schicksals", "Die weiße Hölle vom Piz Palü" oder eben "Der Berg ruft", die in den 1920ern und 1930ern die Begeisterung für den alpinen Sport wachsen ließen und so womöglich dazu beitrugen, dass die Erstbesteigung der Eiger Nordwand für Hitlers Propagandisten überhaupt interessant und unterstützenswert war.

Schauspielerisch ist das Ganze ebenfalls recht gut gelungen: Die Hauptdarsteller Benno Führmann und Florian Lukas geben problemlos die liebenswerten Klettermaxe Toni Kurz und Andreas Hinterstoisser. Und, ja, ich glaub ich kann sie schon hören, die Horden schmachtender Frauen: Hach, diese blauen Augen... Erwartungsgemäß gibt's auch an Johanna Wokalek nichts zu meckern und Ulrich Tukur als Hitlertreuer Journalist Henry Arau gibt sein bestes, um so richtig schön unsympathisch rüber zu kommen.

Fazit: Eine Bestätigung für jeden Menschen mit Höhenangst - und eine gelungene Verfilmung einer an Dramatik kaum zu überbietenden wahren Begebenheit.




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Land: Deutschland
Jahr: 2007
Genre: Drama, Abenteuer
Länge: 121 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 23.10.2008
Regie: Philipp Stölzl
Darsteller: Florian Lukas, Simon Schwarz, Benno Fürmann
Verleih: Majestic Filmverleih GmbH

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