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Nordwand
Nordwand
© 2010 Music Box Films

Kritik: Nordwand (2007)


Zugegeben: Ich bin ein Flachland-Tiroler. Der Berg hat mich noch nie gerufen, ganz im Gegenteil: Ich habe Höhenangst. Und "Nordwand" ist nicht gerade der Film, das zu ändern. Die nach wahren Begebenheiten erzählte Geschichte des im Jahr 1936 gescheiterten Eiger-Erstbesteigungsversuchs ist dann doch eher abschreckend, kommt doch das Ende wie die böse Pointe eines fiesen Drehbuchautoren daher. Auf die Spitze getrieben wird die Tragik durch die hinzugedichtete Romanze, die es erlaubt, vom Überlebenskampf auf dem Eiger immer wieder zu der gepflegten Langeweile und voyeuristischer Sensationgier der Zuschauer im Hotel zu schneiden.

Abschreckend wie der Storyverlauf ist denn auch die Optik, für die sich Regisseur Philipp Stölz und Kameramann Kolja Brandt entschieden haben: Karstig, düster und drohend überschattet der Eiger alles andere als einladend das gesamte dramatische Geschehen. Und die Menschen, die sich dennoch an den Aufstieg wagen, werden von Nebel, Eis und Schneetreiben förmlich verschluckt, bis sie vom Berg kaum noch zu unterscheiden sind. Der eher harte realistische Look passt nicht nur perfekt zum Plot, sondern erinnert gleichzeitig an jene frühen deutschen Bergfilme der Filmemacher Arnold Fanck, Luis Trenker und Leni Riefenstahl die, beeinflusst von der Jugendbewegung der Weimarer Zeit, den Mensch sowohl als Teil als auch als Bezwinger der als erhaben empfundenen Natur feierten. Filme also wie "Der Berg des Schicksals", "Die weiße Hölle vom Piz Palü" oder eben "Der Berg ruft", die in den 1920ern und 1930ern die Begeisterung für den alpinen Sport wachsen ließen und so womöglich dazu beitrugen, dass die Erstbesteigung der Eiger Nordwand für Hitlers Propagandisten überhaupt interessant und unterstützenswert war.

Schauspielerisch ist das Ganze ebenfalls recht gut gelungen: Die Hauptdarsteller Benno Führmann und Florian Lukas geben problemlos die liebenswerten Klettermaxe Toni Kurz und Andreas Hinterstoisser. Und, ja, ich glaub ich kann sie schon hören, die Horden schmachtender Frauen: Hach, diese blauen Augen... Erwartungsgemäß gibt's auch an Johanna Wokalek nichts zu meckern und Ulrich Tukur als Hitlertreuer Journalist Henry Arau gibt sein bestes, um so richtig schön unsympathisch rüber zu kommen.

Fazit: Eine Bestätigung für jeden Menschen mit Höhenangst - und eine gelungene Verfilmung einer an Dramatik kaum zu überbietenden wahren Begebenheit.




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