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Die Noobs - Kinoplakat
Die Noobs - Kinoplakat
© 20th Century Fox

Kritik: Die Noobs - Klein aber gemein (2009)


Ohne ein paar ordentliche Monster, die regelmäßig und in wechselndem Gewand die Zelluloidtheater heimsuchen, hätten die Filmkreativen aus der Traumfabrik deutlich weniger zu tun. Ob sie nun aus dem absonderlichen Antiquitätenladen eines alten schrumpeligen Chinesen stammen, aus einem Genlabor entlaufen sind oder direkt aus dem Weltraum eintrudeln: Hauptsache böse, bissig, hinterlistig und völlig durchgeknallt, war zumindest früher die Devise.

Während in den 1980ern die „Critters“ eindeutig zu der Variante "agiler Bio-Weltraummüll" gehörten und gerade wegen des schön trashigen Images einen gewissen Kultstatus erlangten, wurden die „Gremlins“, mit Steven Spielberg im Produzentenstuhl, regelrecht geadelt. Anfang des 21. Jahrhunderts ist es nun wieder soweit: „Die Noobs“ sind bei uns gelandet. Das sind kleine grüne Weltraum-Tech-Nerds, mit einem eindeutig manifestierten Napoleonkomplex. Die letzte Verteidigungslinie – vor der Eroberung unseres blauen Planeten – ist eine, aus Eltern, Kindern Onkel, Vettern und Cousinen, zusammengewürfelte Familientruppe. Gemeinsam machen sie im Grünen, in einer Villa, an einem idyllischen See gelegen, einen Kurzurlaub, um sich vom Großstadtstress zu erholen. Und prompt geraten sie den außerirdischen Eroberungskobolden in die Quere. Erwartungsgemäß sind die Erwachsenen völlig verpeilt oder werden bereits via Neurocontrol durch die Noobs ferngesteuert, also müssen die Kids diesen Invasions-Spähtrupp allein in Schach halten.

Ein wenig erinnert die Show schon an „Kevin allein zu Haus“ und ähnliche Klamotten. Mit improvisierten Waffen rückt die Kinderbrigade im Alter von sechs bis 16 den Minifieslingen aus dem "Outer Space" auf die Pelle und liefert sich manch Schlacht in bester „A-Team“-Manier: Hauptsache niemand wird dabei (ernstlich) verletzt. Nein, waren das noch Zeiten, in denen sich Creature-Moviemaker einen schlappen Arsch (sorry!) drum scherten, was für eine Jugendfreigabe ihr martialisch-monströses Machwerk einheimsen würde. Da hatten die kleinen Wichte noch Biss und mussten bis aufs Blut bekämpft werden. In Zeiten, in denen aber alles was auch nur den Verdacht erzeugt, die zarten Seelchen ach-so-sensibler Namen-in-den-Schnee-Tänzer zu gefährden, bekommt eine weichgespülte disneyfizierte Mediengeneration Heranwachsender ein paar "Killeraliens" serviert, gegen die sogar die Ewoks (mit Turban und Bart) als al-Qaida-Azubis durchgehen würden.

OK., ohne sich heißzureden - ein wenig Mitschuld hat sicherlich das Konzept an sich: Als Familienfilm angedacht und mit dem Anspruch ausgestattet, von den Kleinen über die Mittleren bis zu den Großen alle irgendwie zu unterhalten, versucht sich der Film an einer Grätsche, die schon manch einem Vorgänger ein paar Blessuren einbrachte. Immer größer wird augenscheinlich der Zwang, kommerziell erfolgreich zu sein und verzweifelt wird versucht, eine möglichst breite Schicht von Kinofreunden zu erreichen. Qualität garantiert das nicht. Betriebswirtschaftlich ist es zwar genau richtig, immer zuerst auf den Markt zu schauen und zu überlegen, was dort absetzbar ist. Alles aber, was jemals eine künstlerische Eigenständigkeit erreichte und sich aus der Masse heraushob, tat dies aus einem Grund: Kreative Menschen ließen ihrer Imaginationskraft freien Lauf, scherten sich einen feuchten Tobak um politische Korrektheit (danke „Mars Attacks“!) und versuchten nicht zwanghaft ein Format zurechtzuzimmern, dass allen gleichermaßen genügen muss.

Fazit: Der Untertitel: „Klein aber gemein“ trifft es ganz gut: gemein – nicht fies, nicht böse, nicht monströs. „Die Noobs“ bieten zwar reichlich Tempo, ordentlich (harmlosen) Witz und Klamauk, aber zu mehr als ganz nett und amüsant reicht es eben nicht. Zugegeben: Gut animiert sind die kleinen Krötlinge schon. Was den Kreaturen an Boshaftigkeit fehlt, wird dank der Evolution der Trickeffekte auf der visuellen Ebene zurückgegeben. Und wem das reicht, der wird sich mit dem Film auch irgendwie anfreunden können. Einzig und allein eine Frage bleibt: Zu was ist bitte Ashley Tisdale („High School Musical“) in diesem Film gut?





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