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Dolf (Joe Flynn) in der Zeitmaschine
Dolf (Joe Flynn) in der Zeitmaschine
© MFA+ Filmdistribution

Kreuzzug in Jeans (2006)

Kruistocht in spijkerbroek

Fantasy: Der 15-jährigen Dolf wird per Zeitmaschine ins Mittelalter katapultiert und muss sich prompt in den Wirren des Kinderkreuzzuges von 1212 behauptenUser-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.2 / 5

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Dolf (JOE FLYNN), ein normaler 15-jähriger Junge, lebt mit seiner Mutter in Rotterdam und ist ein hoffnungsvolles Nachwuchstalent im Fußball. Seine Mutter Mary Vega (EMILY WATSON) ist Wissenschaftlerin, die nach jahrelanger Forschungsarbeit kurz vor Vollendung des Prototyps einer Zeitreise-Maschine steht.

Nach einem verpatztem Fußballmatch in der Jugendeuropameisterschaft - welches vor allem durch Dolf verloren ging - versucht er mit Hilfe der Zeitmaschine das Match wieder in Ordnung zu bringen. Er programmiert die Maschine so, dass er punktgenau und rechtzeitig zum Viertelfinale noch einmal antreten kann. Die Maschine soll ihn nach sieben Stunden automatisch zurück in die Gegenwart holen. Dolf hätte eigentlich vor einem Fußballstadion landen sollen, doch tatsächlich findet er sich auf einem verlassenen Feldweg wieder. Ihm wird klar, dass etwas schief gegangen sein muss, bleibt aber gelassen. Schließlich weiß er ja, dass ihn der Computer nach sieben Stunden zurück in die Gegenwart holen wird, vorausgesetzt er befindet sich wieder an dem Ort, an dem er gelandet ist. Aber dann bemerkt Dolf, dass er nicht alleine ist .

Ein Räuber wirft Dolf zu Boden, schnappt sich seinen Wollmantel und seine Sportschuhe. Im letzten Augenblick kommt ihm die 15-jährige Jenne (STEPHANIE LEONIDAS) zu Hilfe. Sie klärt Dolf darüber auf, dass er sich im Jahr 1212 nach Christus nahe der alten Stadt Speyer auf der alten Römerstraße gen Italien befindet. Und dass es dumm von ihm sei, alleine zu reisen. Jenne selbst nimmt an einem Kinderkreuzzug teil: 8.000 Kinder sind auf dem Weg nach Jerusalem, um die Stadt von den Sarazenen zu befreien. Dolf ist von diesem Zug der frommen Kinder beeindruckt und will Jenne für einige Stunden Gesellschaft leisten. Als Dolf einen Jungen vor dem Ertrinken mit Mund-zu-Mund-Beatmung rettet, sind die umstehenden Kinder davon überzeugt, dass Dolf Wunder wirken kann und dass er ihnen von Gott gesandt wurde. Aber Dolf möchte einfach nur nach Hause. Er überredet Jenne, ihn zurück zu jenem Feldweg zu bringen, vom dem er kam. Sie eilen mitten in der Nacht dorthin, geraten aber in ein fürchterliches Gewitter. Sie kommen zu spät. Dolf ist in der Vergangenheit gestrandet und steckt in einem Dilemma: Soll er bleiben wo er ist und da auf Hilfe warten, die vielleicht niemals kommen wird? Oder soll er sich dem Kreuzzug anschließen? Als er die schöne Jenne mit den Tausenden von Kindern weiterziehen sieht, trifft er eine rasche Entscheidung und schließt sich ihnen an.

Er bemerkt bald, dass die Kinder schlecht ernährt und nicht alle einem langen Zug über die Alpen wirklich gewachsen sind. Als er das dem Anführer des Zuges, dem jungen Nicolas (ROBERT TIMMINS) und seinem väterlichen Berater, dem zwielichtigem Priester Anselmus (MICHAEL CULKIN) offen gegenüber ausspricht, meint Anselmus: Gott habe Dolf geschickt, um auf die Kinder aufzupassen...

Die Geschichte basiert auf dem gleichnamigen mehrfach preisgekrönten Roman von Thea Beckman, der in den Niederlanden zu den Klassikern der Jugendliteratur gehört. Der Roman ist 1976 in Bologna als "Bestes europäisches Jugendbuch" ausgezeichnet, bisher in 13 Sprachen übersetzt und in mehr als 20 Ländern veröffentlicht worden.

Bildergalerie zum Film

Dolf (Joe Flynn)Dolf (Joe Flynn, links) und Carolus (Jake Kedge)Dolf (Joe Flynn) und Jenne (Stephanie Leonidas)Graf Rottweil (Jan Decleir)Thaddeus (Benno Fürmann)Nicholas (Robert Timmins, Mitte) führt den Kinderkeuzzug an


Filmkritik

Ein Spiel der U17-Fußballnationalmannschaften: In Speyer treten Holland und Deutschland gegeneinander an. Kurz vor dem Abpfiff findet sich Dolf, ein 15jährige Spieler aus Rotterdam, mit dem Ball am Fuß vor dem deutschen Tor wieder. Ein Pass zu seinem Mitspieler, und der Sieg gegen die Deutschen wäre zum Greifen nahe. Aber Dolf gibt den Ball nicht ab. Er versucht allein zu punkten – und vergibt die Chance. Fortan von seinen wütenden Mannschaftskameraden für seinen Egoismus vorm Tor beschimpft, wünscht sich Dolf nur noch eins: Den Patzer wieder ausbügeln. Da trifft es sich natürlich gut, dass seine Mutter, eine Wissenschaftlerin, gerade kurz vor der Vollendung einer Zeitreise-Maschine steht.

"Kreuzzug in Jeans" wurde von Regisseur Ben Sombogaart nach dem gleichnamigen holländischen Jugendbuchklassiker von Thea Beckmann inszeniert. An den darstellerischen Leistungen gibt’s ingsgesamt nichts zu meckern. Besonders Hauptdarsteller Joe Flyn ist daher zu loben, da er als kompletter Newcomer neben Darstellern wie Udo Kier, Emily Watson, Benno Fürmann und Herbert Knaupp problemlos besteht. In Erzählstil und Rhythmus erinnert der abenteuerliche Film an die ruhig erzählten, aber trotzdem spannenden schwedischen Astrid Lindgren-Verfilmungen, wie etwa "Mio mein Mio". Alles andere als hektisch, aber zum Glück nur an ganz wenigen Stellen mit leichtem Hang zum langatmigen, erzählt Sombogaart die Geschichte von Dolf, der sich nach der unfreiwilligen Zeitreise ins Mittelalter notgedrungen dem Kinderkreuzzug anschließt. Relativ schnell, vielleicht sogar etwas zu schnell, wird dabei klar, dass Dolf ganz und gar kein Egoist ist – von Anfang an ist er fürsorglich um die Kinder bemüht. So scheint die Entwicklung die er im Mittelalter durchmacht weniger grundlegend als es wohl geplant war – wer von Anfang an nur egoistisch genannt wird, es aber nicht wirklich ist, muss sich auch wenig verändern, um zum mitfühlenden Helfer zu werden. So ist die größte Veränderung für Dolf denn auch, dass er dank seines überlegenen Wissens in eine Führungsrolle gedrängt wird, während er in seiner Zeit von seinen Mannschaftskameraden für seine Versuche, Verantwortung zu übernehmen, beschimpft wurde.

Auffallend viel Gewicht wird dem Thema Religion beigemessen. Der aufgeklärte Dolf reagiert verunsichert auf die naive, aber tiefe Religiösität der ihn umgebenden Kinder. Er kann ihrem Glauben nicht folgen, aber vollständig verdammen will er ihn auch nicht. Glaube als solcher bleibt entsprechend von der späteren Kritik an Religionsführern (die im Film nur naive Irregeleitete oder verlogene, gierige Intriganten sind) komplett unberührt. Der Film richtet sich also nicht gegen Glauben als solchen, aber durchaus gegen jene, die ihn für eigene Zwecke ausnutzen. Dass insgesamt die Darstellung des Mittelalters eher an der Oberfläche bleibt, stört das Filmvergüngen nicht im geringsten und dürfte auch kaum verwundern, ist "Kreuzzug in Jeans" doch ein Abenteuerfilm für Kinder und keine lustige Geschichtsshow für Erwachsene. Und recht angenehm ist schließlich, dass das ja grundsätzlich immer, und so auch hier, mit einer Paradoxie und entsprechender Unglaubwürdigkeit kämpfende Thema "Zeitreise" zwar Auslöser der Ereignisse ist, im Folgenden aber an Bedeutung verliert, so dass die Zuschauer von sinnlosem pseudo-wissenschaftlichem Geschwafel und noch sinnloseren Erklärungsversuchen verschont bleiben. Einige Unglaubwürdigkeiten sind dann allerdings trotzdem nicht zu vermeiden und vor allem das Ende lässt eine ganze Reihe von Fragen offen.

Fazit: Gut gespielter und ruhig inszenierter, abenteuerlicher Kinderfilm, bei dem trotz des etwas holprigen Endes auch die Eltern nicht zu kurz kommen. Genau das richtige für trüb-verregnete Wochenenden.




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Land: Deutschland, Niederlande, Belgien, Belgien
Jahr: 2006
Genre: Abenteuer, Fantasy
Länge: 130 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 27.09.2007
Regie: Ben Sombogaart
Darsteller: Johnny Flynn, Stephanie Leonidas, Emily Watson
Verleih: MFA Film

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