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Dolf (Joe Flynn) in der Zeitmaschine
Dolf (Joe Flynn) in der Zeitmaschine
© MFA+ Filmdistribution

Kritik: Kreuzzug in Jeans (2006)


Ein Spiel der U17-Fußballnationalmannschaften: In Speyer treten Holland und Deutschland gegeneinander an. Kurz vor dem Abpfiff findet sich Dolf, ein 15jährige Spieler aus Rotterdam, mit dem Ball am Fuß vor dem deutschen Tor wieder. Ein Pass zu seinem Mitspieler, und der Sieg gegen die Deutschen wäre zum Greifen nahe. Aber Dolf gibt den Ball nicht ab. Er versucht allein zu punkten – und vergibt die Chance. Fortan von seinen wütenden Mannschaftskameraden für seinen Egoismus vorm Tor beschimpft, wünscht sich Dolf nur noch eins: Den Patzer wieder ausbügeln. Da trifft es sich natürlich gut, dass seine Mutter, eine Wissenschaftlerin, gerade kurz vor der Vollendung einer Zeitreise-Maschine steht.

"Kreuzzug in Jeans" wurde von Regisseur Ben Sombogaart nach dem gleichnamigen holländischen Jugendbuchklassiker von Thea Beckmann inszeniert. An den darstellerischen Leistungen gibt’s ingsgesamt nichts zu meckern. Besonders Hauptdarsteller Joe Flyn ist daher zu loben, da er als kompletter Newcomer neben Darstellern wie Udo Kier, Emily Watson, Benno Fürmann und Herbert Knaupp problemlos besteht. In Erzählstil und Rhythmus erinnert der abenteuerliche Film an die ruhig erzählten, aber trotzdem spannenden schwedischen Astrid Lindgren-Verfilmungen, wie etwa "Mio mein Mio". Alles andere als hektisch, aber zum Glück nur an ganz wenigen Stellen mit leichtem Hang zum langatmigen, erzählt Sombogaart die Geschichte von Dolf, der sich nach der unfreiwilligen Zeitreise ins Mittelalter notgedrungen dem Kinderkreuzzug anschließt. Relativ schnell, vielleicht sogar etwas zu schnell, wird dabei klar, dass Dolf ganz und gar kein Egoist ist – von Anfang an ist er fürsorglich um die Kinder bemüht. So scheint die Entwicklung die er im Mittelalter durchmacht weniger grundlegend als es wohl geplant war – wer von Anfang an nur egoistisch genannt wird, es aber nicht wirklich ist, muss sich auch wenig verändern, um zum mitfühlenden Helfer zu werden. So ist die größte Veränderung für Dolf denn auch, dass er dank seines überlegenen Wissens in eine Führungsrolle gedrängt wird, während er in seiner Zeit von seinen Mannschaftskameraden für seine Versuche, Verantwortung zu übernehmen, beschimpft wurde.

Auffallend viel Gewicht wird dem Thema Religion beigemessen. Der aufgeklärte Dolf reagiert verunsichert auf die naive, aber tiefe Religiösität der ihn umgebenden Kinder. Er kann ihrem Glauben nicht folgen, aber vollständig verdammen will er ihn auch nicht. Glaube als solcher bleibt entsprechend von der späteren Kritik an Religionsführern (die im Film nur naive Irregeleitete oder verlogene, gierige Intriganten sind) komplett unberührt. Der Film richtet sich also nicht gegen Glauben als solchen, aber durchaus gegen jene, die ihn für eigene Zwecke ausnutzen. Dass insgesamt die Darstellung des Mittelalters eher an der Oberfläche bleibt, stört das Filmvergüngen nicht im geringsten und dürfte auch kaum verwundern, ist "Kreuzzug in Jeans" doch ein Abenteuerfilm für Kinder und keine lustige Geschichtsshow für Erwachsene. Und recht angenehm ist schließlich, dass das ja grundsätzlich immer, und so auch hier, mit einer Paradoxie und entsprechender Unglaubwürdigkeit kämpfende Thema "Zeitreise" zwar Auslöser der Ereignisse ist, im Folgenden aber an Bedeutung verliert, so dass die Zuschauer von sinnlosem pseudo-wissenschaftlichem Geschwafel und noch sinnloseren Erklärungsversuchen verschont bleiben. Einige Unglaubwürdigkeiten sind dann allerdings trotzdem nicht zu vermeiden und vor allem das Ende lässt eine ganze Reihe von Fragen offen.

Fazit: Gut gespielter und ruhig inszenierter, abenteuerlicher Kinderfilm, bei dem trotz des etwas holprigen Endes auch die Eltern nicht zu kurz kommen. Genau das richtige für trüb-verregnete Wochenenden.





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