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Im Winter ein Jahr
Im Winter ein Jahr
© 2008 Constantin Film Verleih GmbH

Kritik: Im Winter ein Jahr (2008)


Ein Jahr wollte sie pausieren, schließlich aber wurden es sieben Jahre, die sich Caroline Link nach dem Oscar-gekrönten „Nirgendwo in Afrika“ für ihr nächstes Filmprojekt Zeit genommen hat: Das Drama „Im Winter ein Jahr“, eine Adaption des Romans „Aftermath“ von Scott Campbell. Ursprünglich sollte der Film in den USA entstehen, Finanzierungsprobleme erzwangen dann aber einen Umzug in die Heimat und so drehte Link das Drama schließlich doch mit deutscher Besetzung im Münchner Umland.

Geschadet hat dieser Umstand sicher nicht – immerhin konnte Link sich in heimischen Gefilden ihre Wunschdarsteller zusammen suchen. Und die wissen auch durchaus zu überzeugen, insbesondere Hauptdarstellerin Karoline Herfurth als sich tief verletzt in einem Panzer versteckende Studentin Lilli. Im Zusammenspiel mit Josef Bierbichler, der den Maler Max Hollander gibt, sorgt Herfurth für die besten Szenen des Films.

Dass „Im Winter ein Jahr“, trotz dieser beachtenswerten darstellerischen Leisung und der ebenfalls gelungenen Arbeit von Kamerfrau Bella Halben nicht ganz rund ist, liegt vor allem an Links eigener Arbeit. Die Story wird gerne umschrieben als das Porträt einer Familie, die durch den unerwarteten Tod des Sohnes erschüttert wird. Tatsächlich aber ist „Im Winter ein Jahr“ weniger ein Familienporträt, denn das - zugegebnermaßen sehr präzise - Porträt einer einzigen Peson, eben jener von Herfurth gespielten Schwester des Verstorbenen. Links gesamtes Interesse gilt ihr, über die Nebenfiguren erzählt sie nur so viel wie eben nötig ist, um ihre Bedeutung für und ihr Verhältnis zu Lilli zu erklären. Entsprechend leblos bleiben die Nebenfiguren denn auch und dies ist die Hauptursache für einige weniger gelungene Szenen. Denn so versiert, einfühlsam und glücklicherweise weitgehend unpathetisch Link auch zu inszenieren weiß: Manche der Familienszenen kommen mangels lebendiger Nebenfiguren schlicht merkwürdig unecht und gesteltzt daher – da grüßen gruselig Mutter Beimar und die Wicherts von nebenan. Eher störend ist zudem der Erzählstrang rund um einen missglückten Beziehungsversuch Lillis – ein paar Szenen weniger wären da vielleicht mehr gewesen.

Fazit: Nicht ganz gelungenes, aber vor allem Dank Karoline Herfurth (mit Josef Bierbichler) noch sehenswertes Porträt einer jungen Frau im Kampf gegen unterdrückte Trauer.






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