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Kritik: Zurück im Sommer (2008)


Sämtliche amerikanische Studios lehnten das Drehbuch vom Autor und Regisseur Dennis Lee ab – zurecht, kann man im Nachhinein sagen. Obwohl Lee bereits einen Oscar sein eigen nennt, für den Kurzfilm "Jesus Henry Christ" (2003). Schließlich griff ihm der deutsche Verleiher Senatorfilm unter die Arme – leider: "Zurück im Sommer" ist ein krampfig-pretentiöses, humorloses und streckenweise schlicht fades Drama mit nichtssagenden Reißbrettcharakteren, melodramatischen Wendungen, Dialogen wie aus TV-Hausfrauendramen und einem bieder-versöhnlichen Ende. Erwartungen, die allein durch die Besetzung geweckt werden, laufen mit der breiigen Story ins Leere. Und man muss sich wirklich anstrengen, einer Familie Sympathie entgegenzubringen, die mit Badmintonschlägern Glühwürmchen zerschlägt und lebende Fische mit Feuerwerkskörpern in die Luft jagt...

Willem Dafoe spielt ein Klischee seiner selbst – den übermächtigen, fiesen Familienpatriarchen Charles Waechter. Der Grund für seinen finsteren Despotismus kommt allerdings überhaupt nicht rüber. Die undankbare Rolle des von ihm gepiesakten Sohnes Michael teilen sich Ryan Reynolds und Cayden Boyd. Während die jüngere Version zaghaft gegen den fiesen Vater aufbegehrt, bleibt Reynolds als erfolgreicher Autor irritierenderweise immer noch unter seiner Fuchtel. Warum er ihm auch als Erwachsener nicht die Meinung geigen kann, wird nicht klar. Julia Roberts spielt – überwiegend in Rückblenden – die harmoniebedürftige Mutter Lisa, deren Persönlichkeit absolut schwammig daherwabert. Man fragt sich, warum sie dem Schikanieren kein Ende setzt: Als ihr Gatte nämlich fremd geht, mutiert sie plötzlich zur äußerst kampfwilligen Person, ansonsten gibt sie die tumb-gutmütige, Augen verschließende Hausfrau. Hayden Panettiere und Emily Watson teilen sich die Rolle von Michaels Tante Jane, was sowohl vom Alter als auch vom Typ her nicht eine Sekunde lang überzeugt. Und schließlich stakst dann noch Carrie-Anne Moss als völlig überflüssiger und farbloser Charakter in die nicht existierende Handlung. Sie taucht urplötzlich zu Lisas Beerdigung als Michael Frau Kelly auf (die vorher nur kurz erwähnt wurde) und handelt Eheprobleme – die zuvor ebenfalls kein Thema waren – in einem Satz ab: "Ich bin trocken".

Überhaupt hat man bei "Zurück im Sommer" permanent das Gefühl, dass Informationen zurückgehalten wird. Ein paar mal wird eine quasi-inzestiöse Geschichte zwischen dem jungen Michael und seiner Teenage-Tante angedeutet, was dann aber wieder völlig im Sande verläuft. Genauso werden auch alle möglichen weiteren Szenarien skizziert. Tatsächlich passiert aber unter der mit Rückblenden und pseudosymbolischen Chichis garnierten Oberfläche gar nichts – es gibt keine Abgründe. Die Story ist sentimental, ohne jemals Sinn zu machen.
"Zurück im Sommer" ist ein ungeschicktes Familiendrama, das nicht hätte produziert werden müssen. Wobei die Tatsache, dass sich eine Reihe eigentlich fähiger Darsteller für ein derart hohles, unbefriedigendes Möchtegern-Rührstück verpflichtet hat, Fragen nach dem ursprünglichen Drehbuch aufwirft. Vielleicht formten die vielen Andeutungen ursprünglich doch ein Ganzes, das dann dem Schnitt oder der Zensur zum Opfer fiel. In seiner jetzigen Form kann man auf den Film jedenfalls getrost verzichten.





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