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Die Band von Nebenan
Die Band von Nebenan
© 2007 Concorde Filmverleih GmbH

Die Band von Nebenan (2007)

Bikur hatizmoret

Israelisches Dramödie über die kleinen Gemeinsamkeiten unterschiedlicher Menschen aus zwei Ländern, die seit langer Zeit eine Nachbarschaft des ‚kalten Friedens’ miteinander pflegen: Eine ägyptische Polizeikapelle landet in Israel. Sie wollen bei der Eröffnung eines arabischen Kulturzentrums aufspielen. Doch Bürokratie, Pech oder einfach nur dumme Zufälle lassen sie bereits am Flughafen strandenUser-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 4 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Auf einem schicken neuen Flughafen, irgendwo in Israel ist ein achtköpfiges ägyptisches Polizeiorchester gelandet. Wie sie da stehen, in ihren korrekten, hellblauen Galauniformen – ebenso stolz, wie schüchtern – wirken sie wie verloren in einem fremden Land. Die hebräische Schrift kann keiner von ihnen entziffern.
Wo ist bloß das Empfangskomitee? Sollten die Musiker nicht aufspielen bei der Eröffnung des arabischen Kulturzentrums in Petah Tikva? Das Schicksal scheint es nicht besonders gut mit ihnen zu meinen. Tewfiq Zakaria, der Leiter des Orchesters, ringt sich zu einem Anruf bei der ägyptischen Botschaft durch, die ihn aber ziemlich unhöflich in der Warteschleife ‚verhungern’ lässt. Khaled, der jüngste der seltsamen Reisegruppe wird schließlich losgeschickt, die notwendigen Bus-Tickets zu beschaffen. Kurz darauf sitzen die Männer in einem Bus, um sich auf eigene Faust zum Ort ihres Auftritts durchzuschlagen.
Irgendwo in der Wüste. Das Orchester steigt aus. Das hier soll Petah Tikva sein? Am Horizont: eine Ansammlung eintöniger Wohnblöcke. Mit ihren Rollkoffern und den Musikinstrumenten machen sich die acht Uniformierten auf den Weg in den Ort. Sie kommen an einem kleinen Bistro vorbei. Itzik, ein arbeitsloser Stammgast, ruft nach Dina, der Besitzerin. Tewfik verbirgt seine Unsicherheit hinter formellen Sätzen und militärischer Haltung: Das Arabische Kulturzentrum sucht er und zeigt ein Schreiben mit der Einladung aus Petah Tikva. Dina klärt ihn auf, dass hier aber Bet Hatikva sei und nicht Petah Tikva...

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Filmkritik

Neulich, in einer kargen israelischen Wüstensiedlung. Acht arabische Generäle tauchen schwer beladen wie aus dem Nichts aus. Allerdings strahlen sie mit babyblauen Uniformen nicht unbedingt Autorität aus – weil sie trotz der pompösen Aufmachung auch nur ein Polizeiorchester sind, aus Ägypten. Generäle werden sie von den Einheimischen genannt, welche die im Sand Gestrandeten belustigt beäugen. Zu einem arabischen Kulturzentrum hätte man eigentlich fahren wollen, erklärt Tewfiq, Boss der Band, der Bistrobesitzerin Dina. Ihre Antwort "Gibt kein arabisches Zentrum hier. Keine Kultur, keine israelische Kultur, keine arabische, gar keine Kultur. Scheißgegend." Da kein Bus mehr fährt, verteilt sie die Kapelle kurzentschlossen auf sich und einen Freund – der Beginn einer sehr speziellen Nacht.
Die schöne Dina (Ronit Elkabetz) tritt forsch und offen auf, der bei ihr nächtigende Tewfiq (Sasson Gabai) gib sich verschlossen und ablehnend. Zusammen "ausgehen" ist also ein ziemlich kompliziertes Unterfangen. Tatsächlich sind jedoch beide gestrandet, Dina wirkt in dem öden Kaff genauso fehlplatziert wie er. Die anderen Bandmitglieder sprechen – ähnlich den Leningrad Cowboys – gar nicht, oder nur, falls wirklich notwendig. Allein der Jüngste, ein aufmüpfiger hübscher Frauenheld namens Khaled, versucht, Anschluss zu finden und endet in einer Rollerdisco der 70er. Andere stellen sich einen Park vor, lauern vor einem öffentlichen Telefon, tüfteln an einer Symphonie oder geben eine eigenwillige Version von "Summertime" zum Besten...
Das Kinodebüt des 34jährigen Israelis Eran Kolirin erinnert mit seinem verschrobenen Humor an Aki Kaurismäki oder Jacques Tati (letzterer ist tatsächlich einer der Helden seiner Kindheit). Eine politische Ebene scheint – zum Glück – eher verhalten durch. Wer also eine laute, klare Message erwartet, sieht den falschen Film. Die zarte Annäherung der theoretisch verfeindeten Kulturen verläuft anders, als erwartet: Mit poetischen Momenten in einer tristen Umgebung. Dabei passiert weder Welt bewegendes (außer vielleicht für den extrem schüchternen Jungen Papi), noch werden tiefsinnige Gespräche geführt.
Dennoch kann man sich dem kauzigen Charme und feinen Humor des Films schwer entziehen, der in Cannes zurecht mit dem Prix Coup de Coeur ausgezeichnet wurde. Sasson Gabai erhielt für seine Darstellung des wortkargen, um Autorität ringenden Tewfiq jüngst den Preis für den besten europäischen Schauspieler 2007. Warum Elkabetz, die gekonnt zwischen fast plumper Extrovertiertheit und feinen emotionalen Zwischentönen changiert, noch keine öffentliche Ehrung zuteil wurde, ist unbegreiflich. Bemühungen um die allerhöchste Ehre für den Film scheiterten übrigens an einer absurden Hürde: Der Film darf nicht als offizieller Beitrag im Rennen um den Auslands-Oscar (= Oscar für nicht englischsprachigen Film) laufen, weil zu viel Englisch gesprochen wird.




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Land: Israel, Frankreich
Jahr: 2007
Genre: Drama, Komödie
Länge: 83 Minuten
FSK: 0
Kinostart: 31.01.2008
Regie: Eran Kolirin
Darsteller: Ronit Elkabetz, Khalifa Natour, Sasson Gabai
Verleih: Concorde

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