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Die Band von Nebenan
Die Band von Nebenan
© 2007 Concorde Filmverleih GmbH

Kritik: Die Band von Nebenan (2007)


Neulich, in einer kargen israelischen Wüstensiedlung. Acht arabische Generäle tauchen schwer beladen wie aus dem Nichts aus. Allerdings strahlen sie mit babyblauen Uniformen nicht unbedingt Autorität aus – weil sie trotz der pompösen Aufmachung auch nur ein Polizeiorchester sind, aus Ägypten. Generäle werden sie von den Einheimischen genannt, welche die im Sand Gestrandeten belustigt beäugen. Zu einem arabischen Kulturzentrum hätte man eigentlich fahren wollen, erklärt Tewfiq, Boss der Band, der Bistrobesitzerin Dina. Ihre Antwort "Gibt kein arabisches Zentrum hier. Keine Kultur, keine israelische Kultur, keine arabische, gar keine Kultur. Scheißgegend." Da kein Bus mehr fährt, verteilt sie die Kapelle kurzentschlossen auf sich und einen Freund – der Beginn einer sehr speziellen Nacht.
Die schöne Dina (Ronit Elkabetz) tritt forsch und offen auf, der bei ihr nächtigende Tewfiq (Sasson Gabai) gib sich verschlossen und ablehnend. Zusammen "ausgehen" ist also ein ziemlich kompliziertes Unterfangen. Tatsächlich sind jedoch beide gestrandet, Dina wirkt in dem öden Kaff genauso fehlplatziert wie er. Die anderen Bandmitglieder sprechen – ähnlich den Leningrad Cowboys – gar nicht, oder nur, falls wirklich notwendig. Allein der Jüngste, ein aufmüpfiger hübscher Frauenheld namens Khaled, versucht, Anschluss zu finden und endet in einer Rollerdisco der 70er. Andere stellen sich einen Park vor, lauern vor einem öffentlichen Telefon, tüfteln an einer Symphonie oder geben eine eigenwillige Version von "Summertime" zum Besten...
Das Kinodebüt des 34jährigen Israelis Eran Kolirin erinnert mit seinem verschrobenen Humor an Aki Kaurismäki oder Jacques Tati (letzterer ist tatsächlich einer der Helden seiner Kindheit). Eine politische Ebene scheint – zum Glück – eher verhalten durch. Wer also eine laute, klare Message erwartet, sieht den falschen Film. Die zarte Annäherung der theoretisch verfeindeten Kulturen verläuft anders, als erwartet: Mit poetischen Momenten in einer tristen Umgebung. Dabei passiert weder Welt bewegendes (außer vielleicht für den extrem schüchternen Jungen Papi), noch werden tiefsinnige Gespräche geführt.
Dennoch kann man sich dem kauzigen Charme und feinen Humor des Films schwer entziehen, der in Cannes zurecht mit dem Prix Coup de Coeur ausgezeichnet wurde. Sasson Gabai erhielt für seine Darstellung des wortkargen, um Autorität ringenden Tewfiq jüngst den Preis für den besten europäischen Schauspieler 2007. Warum Elkabetz, die gekonnt zwischen fast plumper Extrovertiertheit und feinen emotionalen Zwischentönen changiert, noch keine öffentliche Ehrung zuteil wurde, ist unbegreiflich. Bemühungen um die allerhöchste Ehre für den Film scheiterten übrigens an einer absurden Hürde: Der Film darf nicht als offizieller Beitrag im Rennen um den Auslands-Oscar (= Oscar für nicht englischsprachigen Film) laufen, weil zu viel Englisch gesprochen wird.





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