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The Fighter
The Fighter
© Paramount Pictures

Kritik: The Fighter (2011)


Der Film von David O. Russell enthält alle Zutaten für ein packendes Sportlerdrama. Er erzählt die wahre Geschichte des Boxers Micky Ward, der aus einfachsten Verhältnissen stammt. Aufgewachsen in der Arbeiterstadt Lowell in der Nähe von Boston hat er schnell gelernt, dass ihm das Leben nichts schenkt. Seinen Lebensunterhalt verdient er sich als Straßenpflasterer und seine Tochter darf er nur einmal die Woche sehen. Der große Stolz seiner Familie ist sein älterer Halbbruder Dicky Eklund, der einst den legendären Sugar Ray Leonard in einem Box-Kampf auf den Boden schickte. Auch Micky träumt von einer Karriere im Boxen, und seine Familie gibt ihm Rückhalt. Er wird von Dicky trainiert, seine Mutter Alice ist seine Managerin. Bei einem genauen Blick erweist sich seine Familie aber auch als Hindernis: Alice glaubt immer noch, dass Dicky das Zeug zum großen Comeback habe und übersieht Mickys Potential. Und Dicky ist sich dem Ausmaß seiner Crack-Sucht kaum bewusst. Erst als Micky bei einem Kampf verheizt wird und die toughe Charlene kennenlernt, erkennt er, dass er seine letzte Chance nicht verpassen darf. Mit einem neuen Trainer und einem neuen Manager will er seinen großen Traum verwirklichen.

Natürlich hat"The Fighter" viele Elemente eines typischen Boxerfilms im Stil von "Rocky", doch insbesondere in der ersten Hälfte des Films sind weniger glatte Töne zu vernehmen. Hier wird auch von den Menschen in Lowell erzählt, die kein einfaches Leben haben – und darauf hoffen, dass einer von ihnen mal etwas Besonders erreicht. Sie sind einfache Leute, die im Kino nur selten sehen sind.

Darüber hinaus ist "The Fighter" auch ein Film über den ungewöhnlichen Zusammenhalt einer Familie. Gerade die Szenen mit Alice und ihren Töchtern bieten außergewöhnliche, bisweilen komische, aber auch tragische Momente. Insbesondere Alice ist ein wenig identitätsstiftender Charakter. Sie hat als Mutter bedingungslos auf einen Sohn gesetzt, seine Fehler konsequent übersehen und aus ihrer Bevorzugung keinen Hehl gemacht. Erst allmählich wird ihr bewusst, welche Wirkung das auf ihre anderen Kinder hatte – doch sie bleibt sich dennoch treu. Das macht es den Zuschauern nicht sonderlich leicht, Verständnis für sie oder Mickys ausgeprägten Familiensinn zu entwickeln. Oft wünscht man sich daher, Micky würde auf Charlene hören und sich lösen – doch aus genau diesem Konflikt bezieht der Film auch viel Spannung.

Im zweiten Teil wird "The Fighter" dann weitaus konventioneller. Dass er aber dennoch überdurchschnittlich guter Film ist, liegt nicht zuletzt an der hervorragenden Besetzung. Mit viel Einsatz hat sich Hauptdarsteller und Produzent Mark Wahlberg auf die Rolle des Micky Ward vorbereitet. Vier Jahre hat er hart trainiert. um auch die Boxszenen überzeugend zu spielen. Doch so wie Micky Ward im wahren Leben im Schatten seines Bruders steht, lässt Wahlberg mit seinem unauffälligen, zurückgenommenen Spiel auch einen anderen Schauspieler den Film überragen: Christian Bale. Spätestens wenn am Ende des Films Aufnahmen von dem authentischen Dicky Eklund zu sehen sind, wird deutlich, wie nah Christian Bale der Verkörperung dieses Menschen gekommen ist. Es war eine wahrlich oscarreife Leistung.
Neben Christian Bale hat auch Melissa Leo einen Oscar für ihre Darbietung von Alice erhalten. Daneben ist eine weitere positive Überraschung des Films in der öffentlichen Aufmerksamkeit vielleicht ein wenig ins Hintertreffen geraten. Denn Amy Adams liefert in diesem Film zweifellos die beste Leistung ihrer Karriere ab. Endlich spielt sie keine reine Naive, sondern eine einfache willensstarke Frau – und offenbart völlig neue Seiten.

Fazit: "The Fighter" ist ein guter Film mit hervorragenden Schauspielern, der seinen Zuschauern auch weniger bequeme Charaktere zumutet. Sehenswert!




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