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Tron Legacy
Tron Legacy
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kritik: Tron Legacy (2010)


1982 war ein hervorragendes Jahr für Computer-Nerds. Die Mikroelektronik-Revolution stand zwar noch an ihrem Anfang und Cyberwelten existierten (vorerst noch) lediglich in den Köpfen visionärer Wissenschaftler oder in den Büchern von Science-Fiction-Schriftstellern. Die Filmkreativen waren indes aber schon einen Schritt weiter: Der Entertainment-Gigant Disney, der bis dato wenig abendfüllende Filme für ein erwachsenes Publikum gemacht hatte, beispielsweise drei Jahre zuvor "Das Schwarze Loch", nahm sich des Themas Virtual Realitys an und zauberte mit "Tron", einen bahnbrechenden Film auf die Leinwand, der seinerzeit nicht nur State-of-the-Art war, sondern nachhaltig mehr als jeder andere Film, dieses Sub-Genre beeinflusste. Vergleichbares gelang erst 1999 den Wachowski-Brüdern mit "Matrix" wieder. Fast 30 Jahre nach "Tron", gelangt der Nachfolger "Tron – Legacy" in die Kinos und greift das Thema Parallelwelten wieder auf, wie kaum jemals zuvor.
Diesmal steht nicht der letztjährig oscarprämierte Jeff Bridges alias Kevin Flynn, der Superhacker sowie das namensgebende Kontrollprogramm Tron, gegeben von Bruce Boxleitner, im Mittelpunkt der Geschichte, sondern Flynns Sohn, Sam Flynn, gespielt von Garett Hedlund. Er wandelt auf den Pfaden seines Vater, der urplötzlich in den 80ern von der Bildfläche verschwand. Und natürlich ereilt ihn das selbe Schicksal: Er wird digitalisiert und eine extrem düstere, aber auch unglaublich stylische Welt von Bits und Bytes befördert. Dort herrscht ein Programm gleich einem totalitärem Despoten, dass Kevin Flynn einstmals erschuf, um über die Freiheit des Systems zu wachen, über alle anderen Programme und veranstaltet tödliche Spiele wie im alten Rom zur Belustigung des Pöbels. Als User, ein Wesen, dass über unglaubliche Fähigkeiten verfügt, muss sich Sam Flynn diesem Tyrannen stellen, allein auf sich gestellt, wird er aber kaum eine Chance haben. Auch wenn "Tron – Legacy" auf gewisse Weise mainstreamiger erscheinen könnte, wurde der alte Spirit beibehalten: Geschickt wird religiöses und transzendentes Gedankengut mit Cyber-Scifi und visionären wissenschaftlichen Ansätzen zu einem sehr interessanten Gebäude miteinander kombiniert. Hinzu kommt eine Optik, die in ihrem Look, an eine Mischung aus "Blade Runner", "Matrix" und "Metropolis" erinnert, dabei unerhört sexy wirkt und nahezu unendliche vielschichtig und komplex wirkt.
Dieser Film gehört damit zu den seltenen Ausnahmen, der inzwischen inflationär und oft ohne Sinn und Verstand eingesetzten 3D-Technik, bei denen die hinzugewonnene Dimension für das Publikum überaus gewinnbringend eingesetzt wurde. Und das multisensorische Spektakel wird zuletzt noch noch von einem Bombast-Score abgerundet, der jeder großen Space-Opera gut zu Gesicht gestanden hätte. Diese außergewöhnliche musikalische Unterlegung, die "Tron – Legacy" erst zu dem orgiastischen Gesamterlebnis macht, das es wirklich ist, verdankt man zwei französischen Avangard-Elektro-Künstlern, die als "Daft Punk" bekannt sind.
Bei aller Lobhudelei gibt es dennoch auch Gründe zur Kritik: Die zugrundeliegende Story ist leidlich simpel, aber vor allem aber die Eindampfung der Rolle Trons, des Programms um das sich die Handlung des Vorgängers in weiten Zügen dreht, auf ein wirklich lächerliches Maß, kann zu starken Irritationen führen. Für schlagkräftigen Ersatz wurde aber gesorgt: so begleitet Sam Flynn Quorra auf Schritt und Tritt, eine künstliche Lebensform, die aus digitaler DNS entstand und der Beweis für eine eigenständige Evolution innerhalb der virtuellen Welt ist. Gespielt wird diese Figur von Olivia Wilde, die "Dr. House"-Fans als "13" bekannt sein sollte. Sie ist in diesem ohnehin ungemein stylisch-sexy Streifen einer der ausgesprochenen Hingucker.
Fazit: "Tron – Legacy" liefert imposant den Beweis, wofür Kino eigentlich erdacht wurde. Wie kaum ein anderer Film in den letzten Jahrzehnten befördert er den Zuschauer auf einen unglaublichen Trip in atemberaubende Parallelwelten. Interessant sind auch seine politischen Bezüge und die These, wie eine gute Idee missinterpretiert oder in den falschen Händen zu etwas Bösem werden kann. Besonders aber die Idee, dass es eine Evolution innerhalb einer Virtual Reality geben kann, die schlussendlich sogar in der Lage sein könnte, Kreaturen zu erschaffen, die über die Grenzen der Cyberwelt hinaus einen Platz in unserer Realität beanspruchen, ist überaus faszinierend wie auch angsteinflößend zugleich.





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