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John Carter
John Carter
© Walt Disney Pictures

Kritik: John Carter (2012)


Namen wie H.G. Wells, Arthur Conan Doyle, Alexandre Dumas oder Edgar Rice Burroughs haben nicht nur einen guten Klang, es sind Namen von Schriftstellern, die uns zeitlose Abenteuergeschichten und phantastische Erzählungen hinterlassen haben. Viele werden aber meist auf wenige zentrale Werke reduziert, dabei begaben sie sich mitunter auch auf anderes literarisches Terrain: H.G. Wells verfasste nicht nur Werke wie die "Zeitmaschine" oder "Krieg der Welten", er war auch ein ungemein fleißiger Sachbuchautor; Arthur Conan Doyle wird oft auf seine "Sherlock Holmes"-Bücher reduziert, dabei stellt sein Roman, "Die verlorene Welt", die Grundlage für eine immense Anzahl von Filmen und TV-Ablegern dar; Alexandre Dumas ist nicht nur der Begründer der "Musketier"-Abenteuer, sondern verfasste darüber hinaus einige berühmte Kochbücher; und zuletzt Edgar Rice Burroughs schrieb nicht nur die Geschichten über den "Affenmenschen Tarzan", sondern auch bizarre Science-Fiction-Storys, wie "John Carter of Mars", dessen Abenteuer als Serie in Magazinen und Büchern, ab 1912 und bis nach dessen Tod (1950), verlegt wurden.

Burroughs "Tarzan"-Geschichten sind durch die Jahrzehnte in mannigfaltiger Form immer wieder verarbeitet worden: Als Bücher, in Comics, in Trick- und Realfilmen sowie TV-Serien und in einem Musical. An die Erzählung "John Carter of Mars", die von einem kriegstraumatisierten Offizier aus dem amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) handelt, der durch dubiose Umstände auf dem Mars gelangt und dort zwischen die Fronten merkwürdig anmutender Zivilisationen gerät, traute sich lange keiner ran. 2010 erschien von der B-Movie-Schmiede "The Asylum" der Film "Princess of Mars", der das Thema erstmalig filmisch aufgriff, allerdings wenig Beachtung fand. Diese Billig-Produktion kann auch in keinem Punkt mit dem High-Budget-Spektakel, "John Carter" aus dem Hause "Disney", mithalten, das im Frühjahr 2012 folgte. 250 Millionen Dollar Produktionskosten, 3D-Optik und eine gefühlte Mischung aus "Avatar", "Star Wars", "Dune – Der Wüstenplanet" mit einer Prise "Mad Max" gewürzt, sollten dafür garantieren, dass der Blockbuster die in ihn gesteckten hohen Erwartungen erfüllt. Doch "John Carter" schaffte es bestenfalls zur ökonomischen Nullnummer; woran hat es gelegen?

Die Story ist sicherlich etwas verworren, zumal sie auf zwei Planeten angesiedelt ist. Mit den neu eingeführten Rassen muss man sich zudem erst einmal anfreunden. Viele Motive wirken aus benannten Filmen zwar vertraut, doch der Film setzt nicht eins zu eins auf einem bereits eingeführten Image auf. Der Zuschauer folgt dem Protagonisten (Taylor Kitsch), der zwischen die Fronten zweier sich bekriegender, menschlich anmutender Spezies gerät. Zunächst aber wird er von einem sehr grotesk aussehendem Volk eingesammelt und als Sklave gehalten. Bald gelingt es ihm, sich aus diesem Zustand zu befreien. Bevor er allerdings zur Erde zurückkehren kann muss er noch eine Prinzessin retten (wie in jedem guten Märchen gibt es auch hier eine), einen skrupellosen Usurpator eliminieren und die Pläne von Aliens durchkreuzen, die zwischen Zeit und Raum zu reisen vermögen. Erwartungsgemäß holpert somit die Geschichte, da zu viele Storylines verknüpft und zu Ende geführt werden müssen, wobei allein schon die Exposition der Völker und ihrer kulturellen Verflechtungen einiger Zeit bedürfen. Nicht nur inszenatorisch, auch aus Marketinggesichtspunkten hat "Disney" indes nicht alles richtig optimal gelöst: Nicht nur, dass aus "John Carter of Mars" kurzerhand "John Carter" wurde - im Vorfeld wurde das Spektakel dem Zuschauer gar nicht richtig schmackhaft gemacht, sieht man von den Trailern ab, die einzig und allein auf die visuellen Effekte und Actionqualitäten setzten. Das allein war aber eindeutig nicht genug.

Fazit: John Carter ist summa summarum sehr ordentliches Popcorn-Kino, dass wenig bluttriefend und mit märchenhaften Zügen ausgestattet, sich auch gut familientauglich erweist. Die Spezialeffekte sind auf höchstem Niveau, langweilig wird es wegen dem stetem Neureiz selten, nur wollen sich die einzelnen Handlungsversatzstücke zuweilen etwas widerspenstig ineinanderfügen.




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