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Out of Rosenheim
Out of Rosenheim
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Kritik: Out of Rosenheim (1987)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Percy Adlons mit Marianne Sägebrecht, Jack Palance und Christine Kaufmann prominent besetzter Klassiker zog u.a. ein Musical und eine eigene TV-Serie nach sich. Diese wurde 1990 gedreht und mit Whoopi Goldberg in der Hauptrolle besetzt. "Out of Rosenheim" wurde nicht in dem tatsächlich existierenden Wüstenort Bagdad, sondern in dem Städtchen Newberry Springs gedreht. Beide kalifornischen Städte liegen an der weltberühmten Route 66. Der Titelsong von "Out of Rosenheim", der von Bob Telson geschriebene Titel "Calling you", wurde 1989 für einen Oscar nominiert.

Rund 30 Jahre nach seiner Entstehung, feiert die charmante, märchenhafte Komödie ihre Wiederauferstehung in den Lichtspielhäusern. Beim erneuten Betrachten des Films wird schnell klar, dass der Film in all den Jahren nichts an Klasse und Witz eingebüßt hat. Was zunächst natürlich an der ganz famosen Hauptdarstellerin Sägebrecht liegt, die hier in einer ihrer stärksten Rollen zu sehen ist – und der mit dieser Produktion der Sprung nach Hollywood gelang ("Der Rosenkrieg"). Mit entwaffnender Naivität, viel Feingefühl und emotionaler Intensität stülpt sie die Gefühlswelt ihrer Figur nach außen und macht im Laufe des Films eine (glaubhafte) Wandlung durch.

Mit bajuwarischer Tracht und – für die Einheimischen – wundersamem Dialekt ausgestattet, entwickelt sie sich von einer Frau, die anfangs nur Ruhe und Abstand sucht, zu einem regelrechten Energiebündel und Wirbelwind. Allmählich blüht sie im "Bagdad Café" richtig auf und wird zur großen Attraktion. Auch dank ihrer liebenswürdigen Schlitzohrigkeit und der immer professionelleren Zaubershow, mit der sie die kauzigen Einheimischen schnell für sich gewinnt. Apropos Einheimische: Regisseur Adlon spickt seinen Film mit herrlich verschrobenen, skurrilen Seitenfiguren, die für reichlich Humor und Abwechslung sorgen. Darunter auch der Künstler Rudy Cox, der nicht weit weg vom "Bagdad Café" in seinem heruntergekommenen Wohnwagen haust. Und – natürlich – regelmäßiger Gast in dem Hotel mit angeschlossenem Café ist. Nicht zuletzt wegen Jasmin.

Darüber hinaus ist "Out of Rosenheim" durchzogen von einer feinen, leisen Melancholie, Schwermut und auch Tragik. Auch, weil sich Adlon zwischen den Zeilen u.a. den Themen "Entfremdung", "Identität", "Selbstfindung" und "Heimat" widmet und am Ende beweist, dass es – wie so oft – die bürokratischen Fesseln der Behörden sind, die das Leben erschweren. Das war schon in den 80er-Jahren so.

Fazit: Herzerwärmende, heitere Außenseiter-Komödie mit einer wie entfesselt aufspielenden Marianne Sägebrecht, die auch nachdenkliche sowie schwermütige Töne anstimmt.




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