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Lina Braake oder Die Interessen der Bank können nicht die Interessen sein, die Lina Braake hat (1975)
Lina Braake
Wiederaufführung des Debütfilms von Bernhard Sinkel aus den Zeiten des Neuen Deutschen Films.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
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Im Zentrum von "Lina Braake oder Die Interessen der Bank können nicht die Interessen sein, die Lina Braake hat" steht eine ca. 80 Jahre alte Frau, die sich gegen ein scheinbar übermächtiges System behauptet. Lina Braake lebt seit Jahren in einer der Wohnung, für die ihr ein lebenslanges Wohnrecht zugesichert wurde. Nach dem Tod ihres Vermieters wird das Haus jedoch von einer Bank übernommen, die das Gebäude wirtschaftlich verwerten will. Linas Rechte zählen plötzlich nichts mehr: Sie wird aus ihrer Wohnung verdrängt und gegen ihren Willen in ein Altenheim gebracht. Dort scheint ihr Leben zunächst zum Stillstand zu kommen. Die Tage verlaufen monoton, die Eigenständigkeit schwindet. Erst die Begegnung mit Gustav Härtlein, einem entmündigten ehemaligen Geschäftsmann, bringt Bewegung in ihren Alltag. Zwischen Gesprächen und gemeinsamen Spielen entsteht eine ungewöhnliche Verbindung. Härtlein kennt sich bestens mit den Mechanismen des Kreditwesens aus – ein Wissen, das die beiden für einen Plan nutzen: Sie wollen die Bank mit ihren eigenen Mitteln schlagen. Lina setzt den ausgeklügelten Planschließlich in die Tat um.
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Filmkritik
"Lina Braake": Eine alte Dame rechnet ab
Mit der Wiederaufführung von Bernhard Sinkels "Lina Braake" kehrt ein Film zurück, der schon bei seiner Premiere Mitte der 1970er Jahre gleichermaßen Publikum und Kritik überzeugte – und der heute in eigentümlicher Weise zugleich gealtert und erstaunlich aktuell wirkt. Was damals als präzise Beobachtung eines bürokratischen Systems angelegt war, liest sich heute fast wie ein Kommentar zur Gegenwart.
Im Kern ist der Film eine Kritik am Bankenwesen und an einer Gesellschaft, in der Paragraphen oft mehr Gewicht haben als menschliche Lebensrealitäten. Die Enteignung Lina Braakes erfolgt nicht durch offene Gewalt, sondern durch die kalte Konsequenz administrativer Abläufe. Gerade diese Nüchternheit verleiht dem Vorgang seine Schärfe. Wenn der Film später die Perspektive verschiebt und Lina beginnt, die Regeln des Systems für sich zu nutzen, entfaltet sich eine ebenso einfache wie wirkungsvolle Pointe: Auch starre Strukturen sind nicht unangreifbar.
Eng damit verbunden ist die Darstellung des Alters. Das Altenheim erscheint hier weniger als Ort der Fürsorge denn als Raum der Verwahrung, in dem Biografien gewissermaßen eingefroren werden. Dennoch verfällt der Film nie in bloße Tristesse. Im Gegenteil: In den Figuren liegt eine eigensinnige Würde, ein leiser Trotz, der sich jeder vollständigen Vereinnahmung entzieht. Gerade das Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller Lina Carstens und Fritz Rasp trägt den Film mühelos. Ihre Präsenz geht weit über den Dialog hinaus – in Blicken, Gesten und Pausen erzählt sich ein ganzes Leben.
Formal bewegt sich der Film zwischen Fernsehspiel und Kinoästhetik der 1970er Jahre. Viele Innenräume, eine eher funktionale Bildgestaltung und eine Konzentration auf Dialoge prägen die Inszenierung. Das wirkt aus heutiger Sicht stellenweise etwas spröde, hat aber zugleich einen eigenen Reiz. Besonders dann, wenn gezielt Kontraste gesetzt werden – etwa zwischen den nüchternen Räumen der Institutionen und den beinahe utopisch anmutenden Bildern eines anderen, freieren Lebens auf Sardinien.
Nicht ganz frei von Brüchen ist dabei der Tonfall. Während die Hauptfiguren differenziert und mit großer Sensibilität gezeichnet sind, geraten Nebenfiguren wie der Altenheimleiter mitunter etwas zu sehr zur Karikatur. Hier schwankt der Film zwischen satirischer Zuspitzung und realistischer Sozialanalyse, ohne sich endgültig festzulegen. Das ist nicht immer ganz stimmig, macht aber auch einen Teil seines eigentümlichen Charakters aus.
So bleibt "Lina Braake" auch heute noch mehr als nur ein historisches Zeitdokument. Er ist eine leise, kluge und stellenweise überraschend humorvolle Fabel über Widerstand im Kleinen – und eine Erinnerung daran, dass selbst in scheinbar festgefügten Systemen Bewegung möglich ist.
Fazit: "Lina Braake" erweist sich auch heute als überraschend lebendig: ein Film, der seine Zeit deutlich trägt und gerade dadurch aktuelle Fragen berührt. Zwischen leiser Satire, präziser Sozialkritik und einfühlsamer Altersdarstellung entfaltet sich eine Geschichte über Selbstbehauptung im Kleinen. Trotz kleiner Unebenheiten und formaler Sprödigkeit bleibt ein kluger, ambivalenter und nachhaltig wirkender Film, der seine Zuschauer nicht mit einfachen Antworten entlässt.
Mit der Wiederaufführung von Bernhard Sinkels "Lina Braake" kehrt ein Film zurück, der schon bei seiner Premiere Mitte der 1970er Jahre gleichermaßen Publikum und Kritik überzeugte – und der heute in eigentümlicher Weise zugleich gealtert und erstaunlich aktuell wirkt. Was damals als präzise Beobachtung eines bürokratischen Systems angelegt war, liest sich heute fast wie ein Kommentar zur Gegenwart.
Im Kern ist der Film eine Kritik am Bankenwesen und an einer Gesellschaft, in der Paragraphen oft mehr Gewicht haben als menschliche Lebensrealitäten. Die Enteignung Lina Braakes erfolgt nicht durch offene Gewalt, sondern durch die kalte Konsequenz administrativer Abläufe. Gerade diese Nüchternheit verleiht dem Vorgang seine Schärfe. Wenn der Film später die Perspektive verschiebt und Lina beginnt, die Regeln des Systems für sich zu nutzen, entfaltet sich eine ebenso einfache wie wirkungsvolle Pointe: Auch starre Strukturen sind nicht unangreifbar.
Eng damit verbunden ist die Darstellung des Alters. Das Altenheim erscheint hier weniger als Ort der Fürsorge denn als Raum der Verwahrung, in dem Biografien gewissermaßen eingefroren werden. Dennoch verfällt der Film nie in bloße Tristesse. Im Gegenteil: In den Figuren liegt eine eigensinnige Würde, ein leiser Trotz, der sich jeder vollständigen Vereinnahmung entzieht. Gerade das Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller Lina Carstens und Fritz Rasp trägt den Film mühelos. Ihre Präsenz geht weit über den Dialog hinaus – in Blicken, Gesten und Pausen erzählt sich ein ganzes Leben.
Formal bewegt sich der Film zwischen Fernsehspiel und Kinoästhetik der 1970er Jahre. Viele Innenräume, eine eher funktionale Bildgestaltung und eine Konzentration auf Dialoge prägen die Inszenierung. Das wirkt aus heutiger Sicht stellenweise etwas spröde, hat aber zugleich einen eigenen Reiz. Besonders dann, wenn gezielt Kontraste gesetzt werden – etwa zwischen den nüchternen Räumen der Institutionen und den beinahe utopisch anmutenden Bildern eines anderen, freieren Lebens auf Sardinien.
Nicht ganz frei von Brüchen ist dabei der Tonfall. Während die Hauptfiguren differenziert und mit großer Sensibilität gezeichnet sind, geraten Nebenfiguren wie der Altenheimleiter mitunter etwas zu sehr zur Karikatur. Hier schwankt der Film zwischen satirischer Zuspitzung und realistischer Sozialanalyse, ohne sich endgültig festzulegen. Das ist nicht immer ganz stimmig, macht aber auch einen Teil seines eigentümlichen Charakters aus.
So bleibt "Lina Braake" auch heute noch mehr als nur ein historisches Zeitdokument. Er ist eine leise, kluge und stellenweise überraschend humorvolle Fabel über Widerstand im Kleinen – und eine Erinnerung daran, dass selbst in scheinbar festgefügten Systemen Bewegung möglich ist.
Fazit: "Lina Braake" erweist sich auch heute als überraschend lebendig: ein Film, der seine Zeit deutlich trägt und gerade dadurch aktuelle Fragen berührt. Zwischen leiser Satire, präziser Sozialkritik und einfühlsamer Altersdarstellung entfaltet sich eine Geschichte über Selbstbehauptung im Kleinen. Trotz kleiner Unebenheiten und formaler Sprödigkeit bleibt ein kluger, ambivalenter und nachhaltig wirkender Film, der seine Zuschauer nicht mit einfachen Antworten entlässt.
Markus Solty
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Besetzung & Crew von "Lina Braake oder Die Interessen der Bank können nicht die Interessen sein, die Lina Braake hat"
Land: DeutschlandWeitere Titel: Lina Braake oder Die Interessen der Bank können nicht die Interessen sein, die Lina Braake hat
Jahr: 1975
Genre: Tragikomödie
Originaltitel: Lina Braake
Länge: 85 Minuten
FSK: 6
Kinostart: 16.04.2026
Regie: Bernhard Sinkel
Darsteller: Herbert Bötticher, Lina Carstens, Teseo Tavernese, Fritz Rasp, Walter Sedlmayr
Verleih: Kinowelt
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