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FBW-Bewertung: The Danish Girl (2014)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Heute wird sie gefeiert als Pionierin der Transgender-Bewegung: die Dänin Lili Elbe. Obwohl der Begriff zu ihren Lebzeiten noch gar nicht existierte, hatte sie entdeckt, dass sie im falschen Körper steckt. Wohl wissend, dass der damals völlig neuartige Eingriff tödlich enden könnte, ließ der 1882 als Einar Mogens Wegener geborene Landschaftsmaler in den frühen30er-Jahren in Dresden drei Operationen an sich vornehmen? vermutlich die erste Geschlechtsumwandlung überhaupt.
Wie schon in THE KINGS SPEECH hat Regisseur Tom Hooper aus dem historischen Stoff ein Bio-Pic gemacht, dass sich aber nicht nur auf ein kammerspielartiges"Coming out"- und Beziehungsdrama beschränkt, sondern gemäß der Profession seiner beiden Protagonisten auch in gemäldeartigen Tableaus schwelgt. Denn Einars Frau Gerda Gottlieb ist ebenfalls Malerin, hat aber mit den damals üblichen Vorurteilen gegenüber Künstlerinnen im Allgemeinen zu kämpfen. Und so wird die Malerei für sie zueiner Annäherung an den langsam voranschreitenden, physischen und psychischen Identitätswandels ihres Mannes, den sie anfangs noch ein wenig amüsiert begleitet, ihn vermeintlich spielerisch zum Tragen von Kleidern animiert und ihn sogar mal, als Frau verkleidet, zu einer Party mitnimmt. Doch alssie erkennt, dass sie den Ehemann verlieren wird, wandelt sich ihr Verhältnis zu ihm nicht etwa in Unverständnis oder sogar Ablehnung, sondern in eine tiefe Freundschaft, die sie seinen Weg bis zum - durch die Folgen der Operation verursachten - Tod begleiten lässt.
Obwohl Hooper und seine Drehbuchautorin Lucinda Coxon gegenüber der Romanvorlage von David Ebershoff und der Historie ein wenig schummeln, - in Wirklichkeit war Gerda zum Zeitpunkt der Operation in Marokko und längst wieder verheiratet - gelingen ihm gerade die Szenen voller Vertrautheit, angefangen von der (Liebes-)Harmonie der Jungverliebten bis hin zumsich ankündigenden körperlichen Verfall sowie dem sowohl sinnlichen wie auch berührenden Plädoyer für eine gelebte Menschlichkeit. Natürlich funktioniert das nur, weil Hooper mit Eddie Redmayne und Alicia Vikander zwei Schauspieler gefunden hat, die diese Wahrhaftigkeit mit jeder Geste und jedem Blick unausgesprochen ausdrücken können. Wie präzise Hooper es versteht, Schauspieler zu führen, sieht man auch an der konzentrierten Leistung von Sebastian Koch als mutigem Arzt Kurt Warnekros. Und wenn man noch weitere ?Stars? herausheben möchte, dann sind es auf jeden Fall der Komponist Alexandre Desplat , der Momente echter Anteilnahme weckt und Hoopers Hauskameramann Danny Cohen, dessen Blicke in die Art-Nouveau Villen von Kopenhagen geradezu dazu animieren, sich auf eine eigene (touristische) Entdeckungsreise in diese künstlerisch wie gesellschaftspolitisch spannende (Jugendstil)-Zeit zu machen.



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