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Kritik: Source Code (2010)


Filme über virtuelle (oder besser: alternative) Realitäten und Zeitreisen waren und sind ungebrochen populär. Und gelegentlich taucht aus der Masse schon mal ein Vertreter auf, der die etablierten Erzählstrukturen komplett umkrempelt – im Idealfall das Genre an sich revolutioniert. "Source Code" wildert gleich in beiden Genres. Mit Anleihen an "Butterfly Effect" und "Deja Vu" entsteht eine verwirrende Story, die eine Zeitlang den Zuschauer ordentlich fordert. Zumindest solange, bis die Wahrheit offenbart wird und sich der Spannungsgewinn auf die Action beschränkt.

Im Mittelpunkt der Story befindet sich der Helikopter-Pilot Colter Stevens (Jake Gyllenhaal), der eben noch im Kampfeinsatz, nun in einem fremden Körper erwacht, in einem Zug Richtung Chicago. Ihm gegenüber sitzt eine attraktive Frau, die ihn – denjenigen, in dessen Körper er sich befindet – offenbar gut kennt. Bevor er aber nur die Chance bekommt, die Situation logisch zu entschlüsseln, gibt es eine gewaltige Explosion (ein Anschlag), bei der die Passagiere ums Leben kommen – selbstverständlich auch sein geborgtes Ich.

Stevens erwacht abermals. Er ist in einem Pilotensitz festgeschnallt und befindet sich in einer Art Kapsel – ähnlich denen, die früher für Weltraummissionen verwendet wurden. Über Funk hat er Kontakt zu einer Einsatzzentrale. Ihm wird mitgeteilt, dass er Teil eines Experiments ist. In diesem wird sein Bewusstsein während einer Simulation in einem Zeitfenster acht Minuten vor der Explosion in den Körper eines anderen Mannes transferiert; mit dem Ziel herauszufinden, wer der Verantwortliche für den Anschlag war, um ihn später festnehmen zu können und damit weitere Anschläge zu verhindern. Stevens muss also wieder zurück und das nicht zum letzten Mal. Irgendwie scheint dies aber noch nicht die volle Wahrheit zu sein.

"Source Code" bietet anspruchsvolles, atmosphärisches Action-Kino mit in sich verschachtelten Realitäten und erinnert damit ein wenig auch an "Inception", wenngleich das Virtual-Reality-Motiv vielleicht eher Assoziationen an "Matrix" aufkommen lässt. Scheinbar unvermeidlich gibt es zudem eine bitter-süße Romanze, die eigentlich nicht glücklich enden kann, da prinzipiell kein Weg hinaus aus einer Computersimulation in die reale Welt existiert. Aber selbst das scheint spätestens seit "Tron – Legacy" – zumindest innerhalb der Logik der SciFi-Universen – nicht ausgeschlossen.

Erstaunlicherweise gelingt es dem Film zwischen all diesen Genrevertretern einigermaßen mit Eigenständigkeit aufzuwarten und sogar durch interessante Wendungen eine Zeitlang zu überraschen. Und selbst Schönling Gyllenhaal macht als Actionheld eine weitaus bessere Figur, als man befürchten musste. Schlussendlich stellen sich dann sogar ein paar moralische Fragen, über das was Wissenschaft zum Wohle vieler darf und inwieweit das Schicksal eines Einzelnen dahinter zurückstehen muss. Einen komplexen moralphilosophischen Diskurs sollte man aber nicht gleich erwarten. Definitiv zu oft explodiert allerdings der Zug, in dem ein Gutteil der Handlung in Endlosspirale beheimatet ist. Dabei wäre es sogar vorstellbar, aus dem zugrunde liegenden Potenzial, eine weitaus spannendere Geschichte zu konstruieren – sogar (fast) ohne Explosionen.

Fazit: "Source Code" gelingt es, sich aus dem Hollywood-Action-Einheitsbrei herauszuheben und kurzweilige anderthalb Stunden spannende wie nicht anspruchslose Unterhaltung abzuliefern, wenngleich das Rad nicht neu erfunden wird. Das Schicksal des charismatischen Protagonisten, dessen Filmfigur in einer klaustrophobischen Situation gefangen ist und von skrupellosen Militärs in einer ausweglosen Endlosspirale immer wieder mit dem eigenen Tod konfrontiert wird, berührt überdies soweit, dass man unweigerlich am Geschehen partizipiert. Insgesamt also Daumen hoch für dieses gut aufgelegte, intelligente Popcorn-Kino.





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