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Plastic Planet
Plastic Planet
© farbfilm verleih / www.plastic-planet.at / thomaskirschner.com

Kritik: Plastic Planet (2009)


Hast Du schon jemals darüber nachgedacht, wie viel Plastik sich in einem durchschnittlichen Haushalt befindet. Regisseur Werner Boote ist in seiner Doku "Plastic Planet" dieser Frage auf den Grund gegangen. Fünf Familien aus fünf Kontintent brachte er dazu, sämtliche Plastikgegenstände ihres Haushalts zusammenzutragen. Das Ergebnis könnte erschrecken, wenn man nicht: 1. sich fast schon denken könnte, dass sich selbst in der kleinsten indischen Hütte noch Berge an Plastik finden; und 2. im Laufe des Films so viele andere, weitaus erschreckendere Dinge über Plastik erfahren würde.
Regisseur Boote hat sich in den Kopf gesetzt, den ersten Film zu drehen, der über sämtliche Aspekte rund um Plastik informiert: Über die Vorteile, aber eben auch über die, weitaus schwerwiegenderen Nachteile. Über die Inhaltsstoffe, oder genauer, über die Tatsache, dass man über die Inhaltsstoffe von Artikeln wie z.B. Kinderspielzeug, Schwimmflügel, Wasserbälle, Duschvorhänge eigentlich gerade nichts weiß, weil die Rezeptur geheim gehalten wird. Darüber, dass wohl bei uns allen Plastikrückstände im Blutplasma nachzuweisen sind; und darüber, dass einige Plastikarten krebserregend sind, andere auf das Hormonsystem einwirken und nicht nur Fische unter diesem Einfluss vermehrt unfruchtbar werden. Er zeigt das von Plastik verursachte Müllproblem am Beispiel einer japanischen Insel, auf der sich alle Jahre wieder Freiwillige einfinden, um angespülten Plastikmüll Tonnenweise von den Stränden zu sammeln. Er zeigt das Müllproblem in den Weltmeeren, wo in den Gebieten mit der höchsten Verschmutzung auf ein Teil Plankton 60 (!) Teile Plastik kommen, und erklärt die Folgen dieser Verschmutzung für Tierwelt und Nahrungskette. Und natürlich präsentiert er auch die verantwortliche Lobby und führt vor Augen, wie schrecklich alternativlos wir als Verbraucher sind, wie wir uns freiwillig abhängig gemacht haben von einer Industrie, die uns mit freundlichem Lächeln teils krebserregende oder unfruchtbar machende Produkte unterschiebt.
Inhaltlich ist das insgesamt dermaßen schockierend, dass einem nach dem Film tatsächlich die Lust auf die nächste (Plastik)Packung Chips, die nächste (Plastik)Flasche Wasser, die nächste Plastikverpackte Tiefkühlkost vergeht.

Kleinere Abzüge allerdings gibt es in der B-Note: Als Enkelsohn eines Plastikfabrikanten aufgewachsen, sieht Regisseur Boote seine Dokumentation als eine Art Familienfilm, der mit Bildern aus Bootes Plastikbeglückter Kindheit beginnt und am Grab seines Großvaters, mit der Niederlegung eines (echten) Blumenstraßes endet - und in dem Boote auch sonst, Michael Moore-ähnlich, permanent vor die Kamera drängt. Das vermag gelegentlich ein wenig zu nerven. Allerdings: Nie genug, als das man darüber den schockierenden Inhalt vergessen würde.

Die Vereinigten Arabischen Emirate haben übrigens nach Vorführung von Bootes Doku auf dem Filmfestival Abu Dahbi, ein Verbot von Plastiktüten ab dem Jahr 2013 angekündigt.

Fazit: Doku, die es vermag einem die Augen zu öffnen für ein bisher kaum beachtetes Problem. Kleinere inszenatorische Mängel, dafür eine ziemlich schockierende Botschaft. Empfehlenswert!





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