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47 Ronin
47 Ronin
© Universal Pictures Germany

Kritik: 47 Ronin (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Geschichte der 47 Ronin (also herrenlosen Samurai) kennt in Japan jedes Kind. Bis heute wurde die Story von den 47 Kriegern, die den Tod ihres Lehnsherren rächen, sechs mal verfilmt. Die erste filmische Adaption geht zurück auf das 1941. Die nun vorliegende Hollywood-Variante wurde von Werbefilmer Carl Rinsch inszeniert und ist die bis heute teuerste und aufwendigste Verfilmung. Knapp 200 Millionen Dollar soll die Mischung aus Fantasy, Mystery, Action und Abenteuer gekostet haben, in den USA erwies sie sich bereits als einer der größten kommerziellen Flops der vergangenen Jahre. Dabei ist "47 Ronin" filmisch alles andere als ein Desaster: Obwohl einem das Schicksal der Figuren nicht wirklich nahe geht und die Protagonisten seltsam blass bleiben, unterhält "47 Ronin" dank gelungener Effekte und prächtiger Landschaftsaufnahmen auf höchstem Niveau. Und für das konsequente Ende gebührt Regisseur Rinsch eine extra Portion Lob.

Genre-Fans und Freunde fernöstlicher Kampfkunst dürften mit "47 Ronin", der zu großen Teilen in englischen und ungarischen Studios entstand, keine Enttäuschung erleben. Visuell überzeugt der Film von Carl Rinsch, der von Regie-Altmeister Ridley Scott gefördert wird, auf ganzer Linie: von den sehenswerten, CGI-animierten Kreaturen (Highlight: eine optisch beachtlich umgesetzte Spinnen-Animation) über die prachtvollen Landschaftsaufnahmen und Kulissen bis hin zur düsteren, Nebel durchfluteten Bildsprache, die eine unheilvolle und bedrohliche Grundstimmung erzeugt. Stark sind zudem die unzähligen Kampfszenen choreographiert, in denen Keanu Reeves trotz seiner mittlerweile fast 50 Lebensjahre, seine nach wie vor außergewöhnlichen körperlichen Fähigkeiten beweist. An diesen durfte sich der Zuschauer ja bereits in Matrix erfreuen.

Löblich ist zudem, dass das Samurai-Halbblut Kai nicht zum typischen Hollywood-Helden ohne Ecken und Kanten verkommt, sondern mit seinem gelebten Ronin-Ehrenkodex ganz in der jahrhundertealten, japanischen Kultur und Samurai-Tradition verankert ist. Als Identifikationsfigur bleibt Kenau Reeves alias Kai dennoch seltsam blass, beim Zusehen fiebert man nur selten mit ihm oder seinen 47 Kriegern mit. Das liegt in erster Linie daran, dass Regisseur Rinsch seine Figuren und Charaktere nicht sonderlich vielschichtig und affektiv angelegt hat, er verweigert ihnen regelrecht emotionale Momente und tiefergehende Wesenszüge. Die letzten 20 Minuten jedoch überraschen dann wiederum positiv: Das Finale ist streng in der kulturellen Tradition des Landes verwurzelt und kann aufgrund der Konsequenz von Rinsch, sich beim Ende des Films ganz an der Historie zu orientieren, als gelungen angesehen werden.

Fazit: Obwohl die Figuren und Charaktere seltsam blass bleiben, ist "47 Ronin" dank der visuell prächtigen Effekte, der atmosphärischen Bildsprache und des konsequenten Endes ein Fantasy-Action-Hybrid, der auf höchstem Niveau unterhält.





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