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Rango - Hauptplakat
Rango - Hauptplakat
© Paramount Pictures Germany

Kritik: Rango (2011)


Nachdem die Coen-Brüder mit ihrer Neuinterpretation des uramerikanischen Westernromans "True Grit", trotz zehn Nominierungen, bei den Academy Awards 2011 leer ausgingen – was ein wenig die freut, die ihre Version als die endgültige Dekonstruktion des Last-Frontier-Gedanken ansehen, der dem klassischen Western erst dieses besondere Larger-than-Life-Feeling verleiht, folgt nun vom Duo Johnny Depp und Gore Verbinsky eine ganz eigene Hommage an dieses oft totgesagte Genre.

"Rango" ist ein waschechter Animationsfilm. Depp leiht dem Protagonisten, einem Chamäleon im Hawaihemd, dass sein Leben allein in einem Terrarium verbrachte und dort in seiner Phantasie große Theater-Inszenierungen nachspielte, die Stimme. Während eines Transport im Auto seiner Besitzer kommt es mitten in der Wüste zu einem folgenschweren Beinahe-Crash. Der Kollision kann zwar gerade noch entgangen werden, das Terrarium wird aber, samt Rango (der zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal für sich selber einen Namen hat), auf die Straße geschleudert. Auf dem heißen Asphalt holt ihn die unerbittliche Realität der Wüste schnell ein: Ohne Wasser kein Überleben.

Dem Rat eines halb-plattgefahrenen philosophierenden Gürteltiers folgend, macht er sich auf den Weg zur nächsten Stadt, die auf den vieldeutigen Namen Dirt hört. Dort bringt man dem Fremden eine geballte Portion Misstrauen entgegen. Die Jahre der schauspielerischen Vorbereitung im Terrarium haben aber Früchte getragen: Rango gelingt es in die Haut eines erfundenen Westernhelden zu schlüpfen und nennt sich ab jetzt ebenso. In seiner neuen Persönlichkeit hat er selbst vor dem Wüstenfalken keine Angst; und tatsächlich gelingt es ihm – mehr aus Glück, denn aus Können – diesen in einer hanebüchenen Aktion zu erledigen. Rango avanciert daraufhin für alle zum Helden. Und prompt wählt man ihn zum Sheriff, der sich sogleich mit der Not der Stadtbewohner auseinandersetzen darf: Ihnen geht langsam aber sicher das Wasser aus.

Rango ist John Depp und Johny Depp ist Rango. Daran besteht vom ersten Augenblick an kein Zweifel. Duktus und Posen, die Art sich zu bewegen, die süffisante Selbstironie, die zur Schau gestellte coole Lässigkeit und zuweilen etwas liebenswert Neurotisches: Insgesamt also ein Anti-Held par excellence in einer anheimelnden Western-Hommage.
Als Cineast wird man in "Rango" unzählige Filmverweise (nicht nur in Richtung Western) finden: Das beginnt bei der Grundkonstellation, die ein wenig an "Latigo" erinnert, geht über den generellen Plot, der starke Anleihen bei "China Town" nimmt, bis hin zu Hilly-Billy-Mutantenmovies wie "The Hills Have Eyes" - und die Liste lässt sich lange fortführen. Überdies stellen viele Szenen und Einstellungen, eine tiefe Verbeugung vor Regisseur-Größen, wie Sergio Leone, Howard Hawks oder John Ford dar. Neben dem Protagonisten und den Shootings sind aber vor allem die Dialoge kultig, die einen ungemein anheimelnden Western-Flair verbreiten – wenngleich mit einer unausweichlichen Portion Ironie gepaart. Dass das Lebenselixier Wasser dabei metaphorisch für Öl steht, ist augenscheinlich; und so findet auch noch ein Werk wie "Giganten" sein Plätzchen in "Rango".

Abgerundet wird der Spaß, der sich im Kern deutlich an ein älteres, filmgeschichtlich bewandertes, Publikum richtet, durch liebevoll kreierte Figuren, die herrlich schräg anmuten: wie ein Klapperschlangen-Revolverheld, der anstelle einer Rassel eine Gatling-Gun besitzt und vielen anderen kauzigen Gesellen, die auch in jedem schmierigen Italo-Western eine hervorragende Figur abgegeben hätten. Den Vogel schießt allerdings die Eulen-Mariachi-Band ab, die das Geschehen stets mit ihren Klängen und etwas verwaschener Sprache begleitet und kommentiert.

Fazit: Trotz reichlich Slapstick und oberflächlichem Ulk, sind es bei "Rango" der Subtext und die Anleihen bei vielen großen Klassikern, die den eigentlichen Spaß ausmachen. Es ist ein Film für Genrekenner und Cineasten, der sich in Deckmäntelchen einer Animations-Klamotte verbirgt. Wer allein auf sinnfreien Zwerchfellspaß setzt, könnte somit etwas enttäuscht werden.





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