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Kritik: The Master (2013)


"The Master" ist der sechste Film von Regisseur Paul Thomas Anderson, dessen Filme von der Kritik stets überschwänglich gefeiert werden. "Boogie Nights", "Magnolia" oder auch "Punch-Drunk Love" wurden mit Preisen überhäuft und entwickelten sich zu Kritiker-Lieblingen. Mit seinem letzten Film, dem epischen Drama "There will be blood", gelang ihm der ganz große Wurf: Der Film gewann auf der Berlinale zwei Silberne Bären und wurde wenig später noch mit zwei Oscars ausgezeichnet. Da P. T. Andersons Filme aber auch immer hochkomplex und tiefgründig sind, haben sie es an der Kinokasse oft nicht leicht, sich zu kommerziellen Kassen-Hits zu entwickeln. Das dürfte sich mit "The Master" nicht ändern. Für die große Masse ist das formal und handwerklich über jeden Zweifel erhabene Drama zu sperrig und schlicht zu lang geraten. Das ist schade, denn darstellerisch gehört der Film zum stärksten, was es in diesem Jahr bislang auf der Leinwand zu sehen gab.

Eine große Erwartungshaltung ist mit dem ersten Film Andersons - nach dem Welt-Erfolg "There will be blood" - verbunden. "The Master" soll sich lose an der Biographie des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard orientieren. Da Hollywood jedoch voller Scientologen ist (Cruise, Travolta, Alley u.a.) werden weder der Name des Gründers noch die Sekte selbst mit einem Wort im Film erwähnt. "The Master" ist ein wütendes, hochemotionales Drama-Glanzstück, an dem es handwerklich nichts auszusetzen gibt. Da ist die prächtige, authentische Nachkriegs-Optik der 50er-Jahre (detailgetreue Kleidung, Autos, Kulissen), die stringente, konsequente Erzählweise, die den Film konstant vorantreibt und schließlich die schauspielerische Perfomance der Hauptfiguren, die ihre Darstellung bis an physische Grenzen treiben. Es sind vor allem die Hauptdarsteller Joaquin Phoenix, Philip Seymour Hoffmann und Amy Adams als Lancasters Mann Peggy Dodd, die diesen Film sehenswert machen.

Die beiden Männer, die im Mittelpunkt der Handlung stehen, könnten dabei unterschiedlicher nicht sein. Lancaster Dodd ist der wortgewandte, eloquente Reden-Schwinger, der beinahe vor Charisma platzt. Seine Reden sind episch und ziehen die Massen an, er ist anmutig, verführerisch, stets charmant und so anziehend, dass man sich ihm nur schwerlich entziehen kann. Ihm gegenüber steht der gebrochene Trinker Freddie Quell, der in Dodd eine Art Vaterfigur zu sehen glaubt und bald an seinen Lippen klebt wie die religiöse Sippe, die immer mehr Anhänger gewinnt. Quell ist unberechenbar und triebgesteuert, seine unkontrollierbaren Wutausbrüche lassen ihn zudem gefährlich und unnahbar erscheinen. Dabei ist es stets mit enormer Spannung zu beobachten, wie sich die beiden Männer einander annähern, wie sie sich fast homoerotisch zueinander hingezogen fühlen und sich gleichzeitig aber auch nicht über den Weg trauen. Was den Film aber eben nicht zu einem Meisterwerk macht, ist die Tatsache, dass dieser Konflikt der beiden Männer, die Beziehung der Beiden einschließlich deren Entwicklung, nicht für einen Film mit einer Länge von über 130 Minuten trägt und taugt. So ist der Film in vielen Momenten schlicht zu langatmig geraten, tritt lange Zeit auf der Stelle und kommt nicht so recht voran. Anderson hätte mehr Mut aufbringen und an den entscheidenden Stellen kürzen müssen, insgesamt um mindestens eine halbe Stunde. Dann wäre "The Master" vielleicht das große Meisterwerk geworden, das alle erwartet haben.

Fazit: "The Master" ist das sensationell gespielte, neue Drama von Meister-Regisseur P. T. Anderson in herausragender 50er-Jahre-Optik, das erzählerisch aber leider lange Zeit auf der Stelle tritt und viel zu langatmig geraten ist.





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