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Die Fremde - Mit Stipe (FLORIAN LUKAS) will Umay...bauen
Die Fremde - Mit Stipe (FLORIAN LUKAS) will Umay (SIBEL KEKILLI) ein neues Leben aufbauen
© Majestic

Kritik: Die Fremde (2010)


2004 wurde die bis dahin völlig unbekannte Sibel Kekili als Hauptdarstellerin in Fatih Akins vielfach ausgezeichneten Drama "Gegen die wand" über Nacht berühmt. Bei der Verleihung des deutschen Filmpreises im selben Jahr wurde sie gar als beste Darstellerin 2004 ausgezeichnet. Dafür allerdings musste sie einen hohen Preis zahlen: Nachdem die Klatschpresse herausgefunden hatte, dass Kekili zuvor in einigen Pornofilmen mitgewirkt hatte, avancierte die türkischstämmige Schauspielerin zum Lieblingsopfer der Klatschpresse. Darüberhinaus brachen ihre Eltern den Kontakt zu ihr ab. Kaum hatte die Klatschpresse die Lust am Lästern über Kekili verloren, wurde es ingesamt ziemlich still um die Schauspielerin - und das obwohl sie unverdrossen auch in internationalen Projekten Rollen übernahm.

So kommt es, dass die Schauspielerin erst mit ihrer Hauptrolle in dem zur Berlinale 2010 geladenen "Die Fremde" wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit dringt. Mit dem Ehrenmorddrama legt die Regisseurin Feo Aladag ihr, mit einigen Abstrichen, gelungenes Debüt vor, ein stilles Arthouse-Drama, dass wenig mit Worten, dafür umso mehr mit Blicken erzählt. In weiten Teilen ruht der recht langsam und dialogarm inszenierte Film auf Kekilis Schultern - die diese Bürde aber gut verkraften kann. Die Farben sind eher blass, zudem wirkt der ganze Film vergleichsweise düster, da der größte Teil der Handlung in nicht wirklich gut beleuchteten Wohnungen spielt und Kekilis Hauptfigur selbst den Weg auf den Balkon erst gegen Ende findet.

Die Story bemüht sich darum, nicht in simple Schwarz-Weiß-Zeichnerei zu verfallen. Auch die Motivation der Familie, der Druck unter dem sie handelt, soll hier nachvollziehbar erklärt werden. Das gelingt auch weitgehend, zumal Aladag eine insgesamt ganz gute Besetzung zusammengetrommelt hat - allerdings mutet das Script ausgerechnet Kekilis Figur dadurch einen gelegentlich etwas wankelmütigen Charakter zu: Eben ruft sie noch mutig die Polizei, um sich aus der Wohnung ihrer Eltern befreien zu lassen und verhindert gerade so die Entführung ihres eigenen Sohnes - und im nächsten Moment taucht sie, mit Sohn im Schlepptau, auf der Hochzeit ihrer Schwester auf, wohlwissend, dass nicht ein einziges Familienmitglied hinter ihr steht. Wie ein kleines Hündchen kann sie von ihrer Familie nicht lassen - pisst ihr aber ständig ans Bein. Entsprechend wirken unglücklicherweise alle Figuren nachvollziehbarer und als ausgerechnet die Hauptfigur und Kekili muss sich einige Mühe geben, um glaubwürdig zu bleibe. Darüberhinaus tragen die Kameraführung von Judith Kaufmann ebensowie der Schnitt (Cutterin: Andrea Mertens) und die Instrumentalmusik von Max Richter und Stéphane Moucha dazu bei, dass der Film doch ziemlich langatmig daher kommt.

Fazit: Recht gelungenes, ausgewogenes Arthouse-Debüt mit guter Besetzung, ziemlich langsam inszeniert und mit einem dann doch überraschendem, ziemlich fiesem Ende.





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