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Die Entdeckung des Hugo Cabret
Die Entdeckung des Hugo Cabret
© Paramount Pictures Germany

Kritik: Hugo Cabret (2011)


Paris im Jahre 1931. Der 12-jährige Waisenjunge Hugo (Asa Butterfield) lebt alleine in den Gemäuern des Pariser Bahnhofs. Sein Vater (Jude Law) war ein talentierter Uhrmacher und ist bei einem Brand ums Leben gekommen. Daraufhin hat ihn sein versoffener Onkel mit in seine versteckte Unterkunft in den Bahnhof genommen und sich aus dem Staub gemacht. Seither sorgt Hugo alleine dafür, dass die Bahnhofsuhren richtig gehen – und muss stets auf der Hut vor dem strengen Stationsvorsteher (Sacha Baron Cohen) sein. Von seinem Vater sind Hugo indes nur zwei Erinnerungstücke geblieben: ein Notizbuch und ein kaputter Roboter. Hugo ist überzeugt, dass der Roboter eine Botschaft seines Vaters verbirgt. Aber dafür muss er ihn reparieren und in Gang setzen. Durch einen Zufall lernt er nun eines Tages die gleichaltrige Isabelle (Chloe Grace Moretz) kennen. Und sie hat den Schlüssel zu dem Geheimnis des Roboters, das das Leben aller Beteiligten verändern wird.

Martin Scorseses Verfilmung des Kinderbuches "Die Entdeckung des Hugo Cabret" ist ein wundervoller Film in 3D, dessen Bildern begeistern und entrücken. Der Zuschauer durchfährt den nostalgisch gestalteten Bahnhof, umkreist das Räderwerk der Uhren und lässt sich vom Schnee berieseln. Dabei ist das Innenleben des Bahnhofs in warmen Braun-, Rot- und Goldtönen gehalten, die einen wohlig antiquierten Charme verbreiten. Allerdings kann der Zauber dieser Bilder nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Geschichte sehr langsam in Gang kommt und gerade die Anfangssequenz etwas lang geworden ist. Dabei ähnelt der Film insgesamt dem Automatenmenschen, den Hugo liebevoll pflegt. Wie in einem Räderwerk greifen die Szenen perfekt ineinander, aber unter der glatt polierten Oberfläche der makellosen Ausstattung und Inszenierung fehlt der Funken, der dem Film Leben verleiht. Stattdessen ist dieser Film wie Hugos Sicht auf die Welt: Eine große Maschine, in der jedes Teil seinen Platz und seine Funktion hat.

Ohnehin ist "Hugo" weniger ein Kinderfilm als vielmehr eine Hommage an den französischen Illusionisten, Theaterbesitzer und Filmregisseur Georges Méliès, der zu den Pionieren der Filmgeschichte gehört. Er setzte als erster Spezialeffekte wie Stop-Motion, Zeitraffer, Mehrfachbelichtungen und handgemalte Kolorierungen ein, vielen gilt er als Vater des erzählerischen Kinos. Doch im Gegensatz zu "The Artist", der den Zuschauer den Zauber des Kinos wieder erleben lässt, fokussiert Martin Scorsese das Handwerk und die technischen Aspekte des Kinos. So wie er zeigt, welche Möglichkeiten in dem Einsatz der 3D-Technik stecken, hatte Méliès einst den Einsatz von Spezialeffekte revolutioniert. Daher sind letztendlich auch die Rückblicke in die Filmgeschichte das Kernstück des Films. Alleine die Ausschnitte aus Méliès‘ "Reise zum Mond" aus dem Jahr 1902 inspirieren hoffentlich manche Kinogänger, sich einige der Originale noch einmal anzusehen und sich mit den Anfängen des Films zu beschäftigen. Und damit hätte Martin Scorsese, der sich seit Jahren für die Restaurierung von altem Filmmaterial einsetzt, mit seinem für elf Oscars nominierten 3D-Film viel erreicht.

Fazit: In seiner visuell eindrucksvollen Liebeserklärung an das Kino schlägt Martin Scorsese einen großen Bogen von den Anfängen des Films mit einfachen Projektionen bis hin zur Entwicklung des 3D-Verfahrens. Doch bei aller mechanischen Präzision und technischen Makellosigkeit fehlt der Geschichte ein wenig der Zauber, der die Herzen der Zuschauer berührt.





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