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Panamericana
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Kritik: Panamericana (2010)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Die längste Straße der Welt, die Panamericana, ist ein Mythos. Sie durchläuft den amerikanischen Doppelkontinent von Nord nach Süd im äußersten Westen, oft mit der Küste in Sichtweite. Die drei Schweizer Filmemacher Severin Frei, Thomas Rickenmann und Jonas Frei haben ein 13.000 km langes Teilstück, die Originalstrecke zwischen Mexiko und Buenos Aires, befahren und ihre Eindrücke schnipselartig zu einer Gesamtschau montiert.
Der Verlauf ihrer Fahrt wird immer wieder auf einer Karte aufgezeigt, sobald sie eine Landesgrenze überqueren. Die schiere Fülle des Materials, das sie in den 12 verschiedenen Ländern sammeln, ist im fertigen Film stark zusammengestutzt. So gibt es letztlich aus jedem Land nur wenige sehr kurze Szenen, was den touristisch flüchtigen Charakter des ganzen Unternehmens spiegelt. Dazwischen breitet sich ein redundanter Bilderteppich aus, der im Stil einer Diaschau vom Straßenverkehr zu einzelnen Gesichtern, dem Obst und Gemüse auf Märkten, den bunten Gewändern der Frauen zurück zu der schnurgeraden Straße durch oft vegetationsloses Land mäandert.
Die Erfahrungen werden in ein wiederkehrendes Muster eingebunden. So gibt es in den einzelnen Ländern die Frage nach der Kaufkraft eines US-Dollars, in die einheimische Währung umgerechnet. Wiederholt fahren die Filmemacher – die selbst nicht ins Bild kommen, allenfalls mal mit einer Frage zu hören sind – auch mit Bus- , Taxi- und LKW-Fahrern, sowie mit Polizisten ein Stückchen mit und lassen sie aus ihrem Leben erzählen. Da ist dann von hoher Arbeitsbelastung und der grassierenden Kriminalität die Rede. Ein LKW-Fahrer in Kolumbien, der Zuckerrohr transportiert, aber gibt sich rundum zufrieden: Er arbeite gern, sagt er, und eine "geile Maschine" habe er auch noch. In Medellin entlocken die Filmemacher einem Polizisten ein paar tiefgründige Bemerkungen über den fatalen Verlust der Moral durch das schnelle Geld, das man hier in den Zeiten des Drogenkönigs Escobar gewohnt war. Darüber hätte man gerne mehr erfahren, aber die Reise geht allzu schnell weiter.
Der quirlige Trubel der Großstädte bildet einen starken Kontrast zur Kargheit der oft menschenleeren Weite dazwischen. Die bergigen Etappen in Ecuador und in Chile, wo es viele Serpentinen zu meistern gilt, entfalten einen besonderen Reiz. Das Lebensgefühl in Mittel- und Südamerika vermittelt der Film noch am ehesten über die Musik. Es gibt kaum eine ruhige Minute, in der nicht ein flottes Lied die Atmosphäre beherrscht. Wer wissen will, wie es entlang der Panamericana aussieht, der bekommt in diesem ziemlich amateurhaften Film immerhin einen quantitativ gewichtigen Überblick.

Fazit: Die Reiseimpressionen dreier Schweizer Filmemacher entlang der Schnellstraße zwischen Mexiko und Buenos Aires ergeben nicht mehr als einen groben Überblick über die Lebensumstände in den 12 durchquerten Ländern. Denn die Aufnahmen werden zu derart kurzen Szenen zusammengeschnitten, dass sie für sich genommen kaum noch Aussagekraft besitzen.




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