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Me Too - Wer will schon normal sein?
Me Too - Wer will schon normal sein?
© Movienet

Kritik: Me Too - Wer will schon normal sein? (2009)


Daniel ist Mitte 30, Akademiker und hat das Down-Syndrom. An seinem neuen Arbeitsplatz lernt er seine Kollegin Laura kennen und verliebt sich in die schöne Frau. Während der täglichen Arbeit kommen sie sich näher und werden trotz aller Gegensätzlichkeiten Freunde. Sie begegnen sich mit einer Ungezwungenheit, die die Unterschiede zwischen ihnen fast vergessen macht. Aber Daniel will mehr, er will mit Laura eine Beziehung, weil er sich in ihrer Gegenwart so normal fühlt. Auch Laura hat sich Daniel verliebt, aber sie weiß nicht, ob sie sich auch eine Zukunft mit ihm vorstellen kann.

Mit Selbstverständlichkeit erzählen die spanischen Regisseure Álvaro Pastor und Antonio Naharro von dem Leben mit Down-Syndrom, von Daniels Sehnsüchten und Hoffnungen, von seiner Liebe zu Laura. Dabei begegnen sie der Behinderung ungezwungen und ermöglichen dem Zuschauer einen Blick in Daniels Realität. Insbesondere übertragen sie den mitunter eigenen Humor der Betroffenen auf die Leinwand, so spielt Daniel den Behinderten im Fahrstuhl, um Laura bloßzustellen. Er lässt sich auch gerne von ihr die Schuhe zu binden oder den Kopierer erklären, um ihr ungeniert in den Ausschnitt zu schauen. Damit weisen die Regisseure auch auf das oftmals widersprüchliche Verhalten von Daniels Mitmenschen in. Zwar erkennen sie sein Hochschulabschluss an, aber letztendlich werden seine geistigen Fähigkeiten selbst an seinem Arbeitsplatz angezweifelt. Daniel hat gelernt, diese Verhalten nicht ernst zu nehmen und durchaus seine Vorteile daraus zu ziehen. Aber für Daniel ist Trisomie-21 Realität – und trotz seiner Bemühungen um ein normales Leben stößt er immer auf Grenzen.
Der Zuschauer lacht niemals über Daniel, sondern immer mit ihm. Und er spielt nicht nur den Clown, sondern überzeugt vor allem mit seiner emotionalen Offenheit. Daniel ist ehrlich und reagiert direkt auf Gefühle. Ganz im Gegensatz zu Laura, die – das ahnt der Zuschauer von Anfang an – irgendwann eine emotionale Verkrüppelung davon getragen habe muss und sich seither ihren Gefühlen nicht mehr stellt. Sie kompensiert die Nachricht vom bevorstehenden Tod ihres Vaters mit wahllosem Geschlechtsverkehr, tanzt und trinkt sich die Anspannung aus dem Körper. Als sie Daniel schließlich mitteilt, dass sie in ihre Heimatstadt Madrid reisen muss, driftet der Film unverständlicherweise ins Melodramatische ab. Dieser Handlungsstrang wäre letztendlich nicht notwendig gewesen, er bietet lediglich eine fadenscheinige Erklärung für Lauras Verhalten und unterstreicht nochmals, dass wir alle nicht normal sind – selbst wenn es von außen nicht zu erkennen ist.

„Me too“ ist kein Betroffenheitsfilm, sondern eine über weite Strecken humorvolle Mischung aus Liebes- und Dokumentarfilm. Dabei lebt der Film von den biographischen Parallelen zwischen dem Hauptdarsteller Pablo Pinedas und dem Protagonisten Daniel. Pinedas ist der erste Europäer mit Down-Syndrom, der einen Hochschulabschluss machte. Wie sein filmisches alter ego kann er sich nicht vorstellen, sich in eine behinderte Frau zu verlieben. Aber er weiß auch, dass sich kaum eine Frau mit 46 Chromosomen in ihn verlieben wird. Dieses Dilemma allein hat ausreichend Potential für einen guten Film, aber leider haben die Regisseure nicht allein auf die Kraft dieser Geschichte vertraut, sondern einige unnötige Nebenhandlungen eingebaut.

Fazit:
„Me too – Wer ist schon normal?“ bietet trotz dramaturgischer Schwächen dank seiner guten Hauptdarsteller, seinem eigenwilligen und offenen Umgang mit dem Thema Down-Syndrom einen unterhaltsamen Kinoabend. Und für einen Film, von dem der Zuschauer eine eindeutige Botschaft erwartet, kommt er mit angenehm wenig Sendungsbewusstsein aus!




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