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Fritz Bauer - Tod auf Raten (2010)

Dokumentation über den im Jahr 1968 unter mysteriösen Umständen umgekommenen hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der in einem aufsehenerregenden Prozess in Braunschweig die Angehörigen des missglückten Putsches gegen Hitler am 20.Juli 1944 rehabilitierte und als maßgeblicher Initiator der hessischen Auschwitzprozesse gilt. Bestandteil des bundesweiten Festivals "über Mut", initiiert von der Aktion MenschUser-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Der Staatsanwalt Fritz Bauer sah sich in der Tradition Gustav Radbruchs als "Jurist aus Freiheitssinn". Er glaubte, dass "Unruhe die erste Bürgerpflicht" sei und war davon überzeugt, dass der Bürger ein Widerstandsrecht gegen Willkürakte des Staates habe. Hierfür stritt er als als Generalstaatsanwalt von Niedersachsen in einem Aufsehen erregenden Prozess in Braunschweig (1952/53), in dem es um die rechtliche Legitimität des 20. Juli 1944 ging und in dessen Verlauf Bauer die Rehabilitierung der hingerichteten Verschwörer erreichte. Damit war er ein Pionier modernen "zivilgesellschaftlichen" Denkens, aus dem das Rechtswesen nicht ausgenommen war.

Mit derselben Zielgerichtetheit mit der Fritz Bauer die Angehörigen des 20. Juli-Putsches rehabilitierte, hat er wie kein anderer Jurist die Aufhellung und Ahndung der NS-Verbrechen in Gang gesetzt. Als hessischer Generalstaatsanwalt (1956-1968) war er der maßgebliche Initiator der Frankfurter Auschwitzprozesse.

Eine wichtige Rolle spielte Bauer auch bei der Ergreifung Adolf Eichmanns. Da er berechtigte Zweifel hegte, dass die deutsche Justiz nachdrücklich genug Eichmanns Auslieferung fordern und ihn konsequent wegen Mordes in vielen tausend Fällen anklagen würde, verriet er den Aufenthaltsort des berüchtigten "Buchhalters der Endlösung" an den israelischen Mossad, damit Eichmann in Jerusalem vor Gericht gestellt werden konnte.

Während seiner Amtszeit in Frankfurt a.M. hat Bauer in Hessen als erstem Bundesland außerdem auch die Reform des Strafvollzugs vorangetrieben. Dessen Humanisierung gehörte für ihn zu einer humanen Gesellschaft.

Durch sein vielfach provozierendes Auftreten – so redete er einmal Strafgefangene mit "Meine Kameraden" an – und durch seine Härte gegenüber NS-Verbrechern wurde Bauer im restaurativen Klima der Adenauer-Ära zur "Provokation für den Zeitgeist", nicht nur der rechten und rechtsradikalen Kritik. Aufsätze und Reden mit Titeln wie "Mörder unter uns" und "Am Ende waren die Gaskammern" erregten auch beim bürgerlichen Publikum der 50er und 60er Jahre Anstoß. Antisemitische und politische Anfeindungen begleiteten das Leben des jüdischen Schwaben. So wie Kleinbürger und Bourgeoisie vor der Machtübergabe an Hitler die Gefahr nicht erkannt haben, die in ihrer Haltung lag (bzw. das, was sich abzeichnete, nicht als Gefahr betrachteten), so waren sie auch nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches nicht fähig, diese – nun in anderer Form wiederkehrenden – Zusammenhänge zu erkennen bzw. falls erkannt, als Gefahr zu begreifen.

Bauer war seiner Zeit zu weit voraus, seine rechts- und gesellschaftspolitischen Vorstellungen, auch die des internationalen Gerichtshofs stießen kaum auf Resonanz, das Klima war hierfür noch nicht reif. Die Unentschiedenheit der Gesellschaft im Hinblick auf ihre Vergangenheit, die Portionierung der bitteren Einsichten und ihre Streckung über Jahrzehnte, die darin liegende Selbstschonung vor dem Schock, den der Blick in den eigenen Abgrund hätte auslösen müssen, zeigen noch lange nach Bauers Tod wie sich die Gesellschaft selbst betrog.

Ein schwerer Schlag waren für Bauer die Notstandsgesetze, die die Frontstellung gegenüber extremistisch-terroristischer Gefahr markierten, wobei man damals nur an links dachte. Bauer sah die Notstandsgesetze als eine irreparable Wende zum autoritären Staat an, in dem sich die junge Demokratie unter dem Vorwand aufgab, sich selbst zu retten, wahrscheinlich konnte sie auch nicht anders, weil sie noch zu wenig Substanz hatte. Als im Mai 1968 schließlich die Dreher-Gesetze vom Bundestag verabschiedet wurden, bedeutete dies den Dolchstoß für Bauer.

Am 30. Juni 1968 wurde er tot in seiner Frankfurter Wohnung aufgefunden. Die Räume waren ‚aufgeräumt’, das heißt, es lagen nicht – wie sonst – überall angefangene Skripte und Materialien herum: Alles war weg. Die Umstände seines Todes geben bis heute Rätsel auf

Mit Akribie hat die Regisseurin Archive durchforscht und wegweisende Statements des hessischen Generalstaatsanwalts ausgegraben. Um sie herum montiert sie in Form eines filmischen Mosaiks Archivmaterial mit ausgesuchten Werken klassischer und zeitgenössischer Komponisten und die Aussagen von Bauers Zeitzeugen: Freunde, Verwandte und Mitstreiter. Dabei entsteht nicht nur die spannende Handlung eines beeindruckenden Lebens, sondern auch das eindrucksvolle Porträt eines der bedeutendsten Juristen des 20. Jahrhunderts.

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Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Deutschland
Jahr: 2010
Genre: Dokumentation
Länge: 97 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 04.11.2010
Regie: Ilona Ziok
Darsteller: Fritz Bauer
Verleih: CV Films

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