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Fallwurf Böhme (2012)

Fallwurf Böhme - Die wundersamen Wege eines Linkshänders

In seinem Dokumentarfilm erzählt Heinz Brinkmann aus dem Leben des ehemaligen DDR-Handballers Wolfgang Böhme.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
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Schon seit ihrer Kindheit treiben die eineiigen Zwillinge Matthias und Wolfgang Böhme eifrig Sport, übers Turnen kommen die Jungen bald zum Handballspiel. Während Matthias sich als nur mittelmäßig begabt erweist, gelingt seinem Bruder eine beispiellose Karriere. Nicht nur sein großer Ehrgeiz ist Wolfgang dabei ein Vorteil, sondern auch die Tatsache, dass er Linkshänder ist. Damit ist er als Handballer schnell gefragt und gilt als gefährlicher Torjäger. Schließlich schafft der junge Mann den Aufstieg in die Nationalmannschaft der DDR, wo er zehn Jahre erfolgreich spielt und mit seinem Team die halbe Welt bereist. Drei Monate vor den Olympischen Spielen von Moskau im Jahr 1980 endet die sportliche Laufbahn Wolfgang Böhmes allerdings schlagartig, als dem Sportler Westkontakte nachgesagt werden und die Stasi ihn wegen geplanter Republikflucht letztlich zur "Unperson" erklärt. Das Ende seiner Karriere bedeutet für Böhme den Aufbruch in ein neues Leben

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Der Stoff, dem sich der Regisseur Heinz Brinkmann hier widmet, lässt eine hochdramatische Sportlerdoku vermuten, doch wer die Filme Brinkmanns kennt, weiß, dass der Filmemacher kein Mann fürs Reißerische und Aufgeregte ist. So erweist sich auch "Fallwurf Böhme" als eher nüchterne, aber selten langweilige Angelegenheit.

Anhand von Talking-Head-Sequenzen mit Böhme, guten Freunden und ehemaligen Sportkollegen sowie einer großen Auswahl an Archivmaterial breitet Brinkmann das Leben des gefallenen DDR-Stars noch einmal auf. Während die Interviews konventionell bleiben, präsentiert sich die Collage aus historischen Filmaufnahmen, Privatfotos und Blicken in Böhmes Tagebuch als humorvoll und verspielt montiert. Mit Hilfe von Bierdosen werden da etwa Spielzüge erläutert oder zwischen den Tagebuchseiten entspinnt sich die Existenzkrise eines jungen Frauenhelden.

Überhaupt nimmt das Privatleben Wolfgang Böhmes eine wichtige Rolle in diesem Dokumentarfilm ein, der damit nicht bloß für Hanndball-Begeisterte interessant sein dürfte. "Fallwurf Böhme" zeigt ohne Pathos, aber dafür umso eindringlicher, wie Sport und Privates im Sinne der DDR-Politik instrumentalisiert wurden und welche schwerwiegenden Konsequenzen das für das Individuum hatte. Einschätzungen von Historikern und Auszüge aus Stasi-Protokollen ergänzen das bisweilen etwas bunte Potpourri um gesellschaftliche Kontexte und verbinden die Episoden um Jungsträume, Doping und das Linkshänderdasein zu einem meist stimmigen Ganzen.

Fazit: Heinz Brinkmanns nüchterner und dennoch humorvoll inszenierter Dokumentarfilm widmet sich einigen Facetten aus dem bunten Leben des Wolfgang Böhme. Vor allem in der Verknüpfung von Politik, Sport und Privatleben erweist sich der Film als stimmiges Porträt.




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Land: Deutschland
Jahr: 2012
Genre: Dokumentation
Länge: 90 Minuten
Kinostart: 02.07.2015
Regie: Heinz Brinkmann
Darsteller: Wolfgang Böhme, Matthias Böhme
Verleih: Basis-Film

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